Verstehen ★ Kernartikel Aktualisiert: Juni 2026 · ca. 7 Min.

Was ist Bor

Bor ist ein chemisches Spurenelement (Symbol B, Ordnungszahl 5), das in der Natur überwiegend als Borat-Verbindung vorkommt.

Lebensmittel mit bor
Inhalt

Bor ist ein chemisches Spurenelement (Symbol B, Ordnungszahl 5), das in der Natur überwiegend als Borat-Verbindung vorkommt. Im menschlichen Körper gilt Bor als ultraspurenelement mit möglicher, aber nicht abschließend gesicherter Funktion für Knochenstoffwechsel, Hormonhaushalt und Mineralstoffregulation. Eine essenzielle Rolle für den Menschen ist bislang nicht eindeutig belegt.

MerkmalAngabe
Element / SymbolBor / B, Ordnungszahl 5
EinordnungHalbmetall, Ultraspurenelement
Geschätzte übliche Zufuhretwa 1–3 mg pro Tag (Schätzwerte)
Mögliche HauptfunktionEinfluss auf Knochen-, Calcium- und Hormonstoffwechsel (vorläufig)
Wichtige QuellenObst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte

Was ist Bor und wie wird es eingeordnet?

Bor ist ein Halbmetall, das chemisch zwischen Metallen und Nichtmetallen steht und nie elementar, sondern stets gebunden – meist als Borsäure oder Borat – auftritt. In der Ernährungswissenschaft wird Bor zu den Ultraspurenelementen gezählt, da es nur in sehr geringen Mengen im Körper vorhanden ist.

Während Bor für einige Pflanzen nachweislich essenziell ist – es spielt dort eine Rolle bei der Zellwandstabilität und im Stofftransport – ist seine Essenzialität für den Menschen wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Es existiert kein klassisches Mangelsyndrom, das eindeutig allein einem Bormangel zugeordnet werden könnte. Dennoch deuten experimentelle Daten auf physiologische Wirkungen hin.

Wie wirkt Bor im Körper?

Bor scheint vor allem den Mineralstoff- und Hormonstoffwechsel zu beeinflussen, wobei die Wirkmechanismen beim Menschen noch nicht vollständig verstanden sind.

Diskutiert werden mehrere Ansatzpunkte:

  • Knochen- und Mineralstoffwechsel: Bor könnte den Umgang des Körpers mit Calcium, Magnesium und Vitamin D modulieren und so indirekt die Knochengesundheit berühren.
  • Hormonregulation: In Untersuchungen wurden Zusammenhänge mit Spiegeln von Steroidhormonen wie Östrogen und Testosteron beobachtet; die Datenlage ist jedoch heterogen.
  • Enzym- und Zellfunktion: Borate können mit bestimmten biologischen Molekülen reagieren und damit enzymatische Prozesse beeinflussen.

Diese Effekte sind überwiegend aus Tiermodellen und kleineren Humanstudien abgeleitet. Eine eindeutige, klinisch relevante Funktion ist daraus nicht zwingend ableitbar. Insgesamt gilt: Bor ist physiologisch aktiv, sein genauer Stellenwert für die menschliche Gesundheit bleibt jedoch Gegenstand der Forschung.

Wie viel Bor pro Tag ist üblich?

Für Bor existiert kein offiziell festgelegter Referenzwert im Sinne einer empfohlenen Tageszufuhr, da seine Essenzialität nicht gesichert ist.

Die übliche Zufuhr über eine gemischte Ernährung liegt schätzungsweise im Bereich von etwa 1 bis 3 Milligramm pro Tag und hängt stark von der Menge pflanzlicher Lebensmittel ab. Vegetarisch oder obst- und gemüsereich orientierte Ernährungsweisen führen tendenziell zu höheren Aufnahmemengen.

Da Fachgesellschaften keinen festen Bedarf definieren, werden teilweise sogenannte tolerierbare Höchstmengen genannt, um eine sichere Obergrenze abzustecken. Diese liegen je nach Quelle im niedrigen einstelligen Milligrammbereich pro Tag für eine dauerhafte Zufuhr. Eine gezielte Supplementierung ist bei ausgewogener Ernährung in der Regel nicht erforderlich und sollte nicht ohne fachlichen Grund erfolgen.

Welche Lebensmittel enthalten Bor?

Bor stammt überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln, deren Gehalt vom Borgehalt des Bodens abhängt.

Als vergleichsweise borreich gelten:

  • Obst: Äpfel, Birnen, Trauben, Pflaumen, Rosinen und andere Trockenfrüchte
  • Nüsse und Samen: Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse
  • Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Kichererbsen
  • Gemüse und Blattgemüse: verschiedene Gemüsearten je nach Anbaubedingungen
  • Getränke: bestimmte Mineralwässer sowie Wein können messbar beitragen

Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte enthalten dagegen meist nur geringe Mengen. Wer reichlich Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte verzehrt, nimmt in der Regel ausreichend Bor auf, ohne dass eine besondere Aufmerksamkeit erforderlich ist.

Wie sicher ist Bor und wann ist Vorsicht geboten?

Bor gilt in den über die Nahrung üblichen Mengen als sicher; problematisch sind erst hohe Dosierungen über Nahrungsergänzungsmittel oder Umweltbelastungen.

Der Körper scheidet überschüssiges Bor überwiegend über die Nieren aus, weshalb eine moderate Zufuhr gut vertragen wird. Sehr hohe Mengen können jedoch unerwünschte Wirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Hautreizungen hervorrufen. Besondere Vorsicht ist bei eingeschränkter Nierenfunktion geboten, da die Ausscheidung dann verzögert sein kann.

Hochdosierte Borpräparate ohne medizinische Indikation sind nicht empfehlenswert. Schwangere, Stillende und Personen mit Vorerkrankungen sollten auf eigenständige Supplementierung verzichten und im Zweifel ärztlichen Rat einholen. Die natürliche Aufnahme über Lebensmittel ist demgegenüber unbedenklich.

Welche Rolle spielt Bor in Medizin und Technik?

Über die Ernährung hinaus besitzt Bor einen festen Platz in spezialisierten medizinischen und materialwissenschaftlichen Anwendungen.

Ein besonders gut dokumentiertes Feld ist die Bor-Neutroneneinfangtherapie (BNCT), ein experimentelles bis klinisch erprobtes Verfahren zur Krebsbehandlung. Dabei wird borhaltige Substanz im Tumor angereichert und anschließend mit Neutronen bestrahlt, wodurch lokal zellschädigende Strahlung entsteht. Laut Barth et al. (2005) wurde der damalige Stand und das Zukunftspotenzial dieses Ansatzes umfassend dargestellt. Laut Coderre und Morris (1999) liefert die Strahlenbiologie der BNCT die physikalische Grundlage für diese gezielte Wirkung.

Auch in der Wirkstoffforschung gewinnt Bor an Bedeutung. Laut Issa, Kassiou und Rendina (2011) stellen sogenannte Carborane einzigartige strukturelle Bausteine (Pharmakophore) in biologisch aktiven Verbindungen dar und eröffnen neue Wege im Arzneimitteldesign.

Wie ist die Studienlage zu Bor einzuordnen?

Die wissenschaftliche Evidenz zu Bor ist gespalten: technische und bestimmte medizinische Anwendungen sind gut belegt, der ernährungsphysiologische Nutzen bleibt vorläufig.

Für die materialwissenschaftliche und onkologische Forschung liegt eine solide, peer-reviewte Datengrundlage vor, wie die zitierten Übersichtsarbeiten zeigen. Hier ist Bor ein etabliertes Forschungsobjekt mit konkreten Anwendungsperspektiven.

Für die Ernährung des Menschen gilt dagegen: Es gibt Hinweise auf Effekte im Knochen- und Hormonstoffwechsel, doch diese stammen oft aus kleinen Studien oder Tiermodellen. Eine essenzielle Funktion ist nicht bewiesen, ein definierter Bedarf nicht festgelegt. Aussagen, die Bor als notwendiges Ergänzungsmittel für Knochen, Hormone oder Gelenke bewerben, gehen über die belegte Evidenz hinaus und sind dem Bereich des Marketings, nicht der gesicherten Wissenschaft, zuzuordnen.

Zusammenfassend ist Bor ein biologisch aktives, aber ernährungswissenschaftlich noch nicht abschließend bewertetes Element. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung deckt die übliche Zufuhr zuverlässig ab.

Häufige Fragen

Ist Bor für den Menschen essenziell?

Eine Essenzialität von Bor für den Menschen ist wissenschaftlich nicht abschließend belegt. Es existiert kein eindeutig definiertes Mangelsyndrom und kein offizieller Referenzwert. Bor gilt als biologisch aktives Ultraspurenelement mit möglichen, aber noch nicht gesicherten Funktionen im Knochen- und Hormonstoffwechsel des Menschen.

Wie viel Bor nehme ich über die Ernährung auf?

Die übliche Zufuhr liegt schätzungsweise bei etwa 1 bis 3 Milligramm pro Tag und hängt stark vom Anteil pflanzlicher Lebensmittel ab. Wer viel Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte verzehrt, nimmt tendenziell mehr Bor auf. Tierische Lebensmittel tragen meist nur geringe Mengen bei.

Sollte ich Bor als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen?

Bei ausgewogener Ernährung ist eine Borsupplementierung in der Regel nicht erforderlich. Hochdosierte Präparate ohne medizinische Indikation sind nicht empfehlenswert. Personen mit Vorerkrankungen, eingeschränkter Nierenfunktion sowie Schwangere und Stillende sollten vor einer Einnahme ärztlichen Rat einholen, um Risiken zu vermeiden.

Welche Lebensmittel sind besonders borreich?

Besonders borreich sind getrocknete Früchte wie Rosinen und Pflaumen, frisches Obst wie Äpfel und Birnen, Nüsse wie Mandeln und Haselnüsse sowie Hülsenfrüchte. Auch bestimmte Mineralwässer können beitragen. Der tatsächliche Gehalt schwankt je nach Borgehalt des Bodens und Anbaubedingungen.

Was ist die Bor-Neutroneneinfangtherapie?

Die Bor-Neutroneneinfangtherapie (BNCT) ist ein spezielles Krebsbehandlungsverfahren. Dabei reichert sich eine borhaltige Substanz im Tumorgewebe an und wird mit Neutronen bestrahlt, wodurch lokal zellschädigende Strahlung entsteht. Laut Barth et al. (2005) und Coderre und Morris (1999) ist dieses Verfahren wissenschaftlich umfassend untersucht.

Kann zu viel Bor schädlich sein?

In über die Nahrung üblichen Mengen gilt Bor als sicher. Sehr hohe Dosen, vor allem aus Präparaten, können Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Hautreizungen verursachen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten, da überschüssiges Bor langsamer ausgeschieden wird. Eine moderate, natürliche Zufuhr ist unbedenklich.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungsbezogene Beratung. Er enthält keine Heilversprechen. Bei gesundheitlichen Fragen, bestehenden Erkrankungen oder vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder qualifiziertes Fachpersonal.

Wissenschaftliche Quellen

Ausgewählte begutachtete Übersichtsarbeiten zu diesem Thema:

  • Golberg D, Bando Y, Huang Y et al.: Boron nitride nanotubes and nanosheets. ACS Nano, 2010. doi:10.1021/nn1006495
  • Barth RF, Coderre JA, Vicente MG et al.: Boron neutron capture therapy of cancer: current status and future prospects. Clin Cancer Res, 2005. doi:10.1158/1078-0432.ccr-05-0035
  • Issa F, Kassiou M, Rendina LM.: Boron in drug discovery: carboranes as unique pharmacophores in biologically active compounds. Chem Rev, 2011. doi:10.1021/cr2000866
  • Coderre JA, Morris GM.: The radiation biology of boron neutron capture therapy. Radiat Res, 1999. doi:10.2307/3579742

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