Verstehen Aktualisiert: Juni 2026 · ca. 8 Min.

Pantothensäure

Pantothensäure ist ein wasserlösliches Vitamin aus dem B-Komplex, das auch als Vitamin B5 bezeichnet wird.

Lebensmittel mit vitamin-b5
Inhalt

Pantothensäure ist ein wasserlösliches Vitamin aus dem B-Komplex, das auch als Vitamin B5 bezeichnet wird. Es ist der zentrale Baustein von Coenzym A und dient damit dem Energiestoffwechsel sowie der Synthese von Fettsäuren. Pantothensäure kommt in nahezu allen Lebensmitteln vor, weshalb ein isolierter Mangel beim Menschen äußerst selten auftritt.

Merkmal Angabe
Schätzwert für angemessene Zufuhr (Erwachsene) ca. 5 mg/Tag (Institute of Medicine, 1998)
Hauptfunktion Bestandteil von Coenzym A und Acyl-Carrier-Protein
Vorkommen nahezu ubiquitär in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln
Mangelzeichen sehr selten; Müdigkeit, Reizbarkeit, „Burning-Feet"-Syndrom
Wasserlöslichkeit wasserlöslich, kaum Speicherung im Körper

Was ist Pantothensäure?

Pantothensäure ist ein essenzielles, wasserlösliches B-Vitamin, das der Körper nicht selbst herstellen kann und daher über die Nahrung aufnehmen muss. Der Name leitet sich vom griechischen „pantothen" ab, was „von überall" bedeutet – ein Hinweis auf das nahezu allgegenwärtige Vorkommen des Vitamins in Nahrungsmitteln.

Chemisch besteht Pantothensäure aus Pantoinsäure, die über eine Amidbindung mit der Aminosäure β-Alanin verknüpft ist. In Lebensmitteln liegt sie überwiegend gebunden vor, vor allem als Bestandteil von Coenzym A. Im Darm wird sie freigesetzt und als freie Säure resorbiert. In Nahrungsergänzungsmitteln wird häufig die stabilere Form Calcium-D-Pantothenat oder das Provitamin Dexpanthenol eingesetzt.

Innerhalb der Vitamine zählt Pantothensäure zu den B-Vitaminen und trägt die Bezeichnung Vitamin B5. Wie die übrigen Vertreter dieser Gruppe fungiert sie primär als Vorstufe eines Coenzyms und greift damit in zentrale Stoffwechselwege ein. Laut Tahiliani und Beinlich (1991) ist die Bedeutung der Pantothensäure für Gesundheit und Krankheit eng an ihre Rolle im Coenzym-A-Stoffwechsel gekoppelt.

Wie wirkt Pantothensäure im Körper?

Pantothensäure wirkt im Körper vor allem als unverzichtbarer Baustein von Coenzym A (CoA), einem der wichtigsten Coenzyme des gesamten Stoffwechsels. Ohne ausreichend Pantothensäure kann der Organismus kein funktionsfähiges Coenzym A bilden.

Coenzym A überträgt Acylgruppen und steht im Zentrum zahlreicher Stoffwechselreaktionen. Besonders bedeutsam ist die Bildung von Acetyl-Coenzym A, einem Schlüsselmolekül, das Kohlenhydrate, Fette und Aminosäuren in den Citratzyklus einschleust und so die Energiegewinnung aus Nährstoffen ermöglicht. Daneben ist Coenzym A an folgenden Prozessen beteiligt:

  • Synthese und Abbau von Fettsäuren
  • Aufbau von Cholesterin und Steroidhormonen
  • Bildung von Ketonkörpern
  • Synthese des Neurotransmitters Acetylcholin
  • Bildung des roten Blutfarbstoffanteils Häm

Eine weitere zentrale Funktion erfüllt Pantothensäure als Bestandteil des Acyl-Carrier-Proteins (ACP), das bei der Fettsäuresynthese als Träger der wachsenden Fettsäurekette dient. Laut Wojtczak und Slyshenkov (2003) könnte Pantothensäure darüber hinaus eine schützende Rolle gegenüber oxidativem Stress spielen, indem sie die zelluläre Verfügbarkeit von Glutathion – einem wichtigen körpereigenen Antioxidans – unterstützt und so zum Schutz vor Zellschäden durch freie Sauerstoffradikale beiträgt.

Wie viel Pantothensäure braucht der Mensch pro Tag?

Für Pantothensäure existiert kein klassischer empfohlener Tagesbedarf, sondern lediglich ein Schätzwert für eine angemessene Zufuhr, da die Datenlage für eine exakte Bedarfsableitung begrenzt ist. Laut Institute of Medicine (1998) wird für erwachsene Frauen und Männer eine angemessene Zufuhr von etwa 5 mg pro Tag angesetzt.

Dieser Wert basiert überwiegend auf der durchschnittlichen Aufnahme gesunder Bevölkerungsgruppen, bei denen keine Mangelerscheinungen beobachtet werden. Der Bedarf variiert je nach Lebensphase:

  • Säuglinge und Kinder: niedrigere Werte, die mit dem Alter ansteigen
  • Jugendliche und Erwachsene: etwa 5 mg pro Tag
  • Schwangere: leicht erhöhter Bedarf (rund 6 mg pro Tag)
  • Stillende: erhöhter Bedarf (rund 7 mg pro Tag), da Pantothensäure in die Muttermilch übergeht

Da Pantothensäure wasserlöslich ist und kaum gespeichert wird, sollte sie regelmäßig zugeführt werden. Eine ausgewogene Mischkost deckt den Bedarf in aller Regel problemlos, sodass eine gezielte Supplementierung bei gesunden Menschen meist nicht erforderlich ist.

Welche Lebensmittel enthalten Pantothensäure?

Pantothensäure ist in nahezu allen unverarbeiteten Lebensmitteln enthalten, weshalb eine ausreichende Versorgung über eine normale Ernährung problemlos gelingt. Besonders reichhaltige Quellen sind innere Organe, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte.

Zu den vergleichsweise gehaltvollen Quellen zählen:

  • Leber und andere Innereien
  • Eigelb
  • Vollkorngetreide und Weizenkleie
  • Hülsenfrüchte wie Linsen und Erbsen
  • Pilze, insbesondere Champignons
  • Avocado, Brokkoli und Blumenkohl
  • Fleisch, Fisch und Milchprodukte

Zu beachten ist, dass Pantothensäure empfindlich gegenüber Hitze, Verarbeitung und Lagerung ist. Beim Kochen, Einfrieren oder bei der industriellen Verarbeitung können erhebliche Mengen verloren gehen – insbesondere durch das Auslaugen ins Kochwasser. Stark verarbeitete und raffinierte Lebensmittel enthalten daher deutlich weniger Vitamin B5 als ihre naturbelassenen Ausgangsprodukte. Eine schonende Zubereitung trägt dazu bei, den Gehalt zu erhalten.

Interessant ist zudem, dass auch Mikroorganismen Pantothensäure herstellen können. Laut Brown und Williamson (1982) verläuft die Biosynthese der Pantothensäure – ähnlich wie die von Riboflavin, Folsäure und Thiamin – über definierte enzymatische Schritte, die vor allem in Bakterien und Pflanzen ablaufen. Die im menschlichen Dickdarm angesiedelten Bakterien produzieren ebenfalls Pantothensäure, deren Beitrag zur Gesamtversorgung jedoch als gering eingeschätzt wird.

Was passiert bei einem Mangel an Pantothensäure?

Ein isolierter Pantothensäuremangel ist beim Menschen außerordentlich selten und tritt praktisch nur unter experimentellen Bedingungen oder bei schwerer, allgemeiner Mangelernährung auf. Aufgrund des breiten Vorkommens in Lebensmitteln ist die Versorgung in der Regel gesichert.

In Studien, in denen ein Mangel künstlich herbeigeführt wurde – etwa durch pantothensäurefreie Diäten oder Antagonisten –, wurden unspezifische Symptome beobachtet. Dazu zählen:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit
  • Muskelkrämpfe
  • Kribbeln, Taubheit und brennende Schmerzen in den Füßen (sogenanntes „Burning-Feet"-Syndrom)

Da Pantothensäure an so vielen grundlegenden Stoffwechselwegen beteiligt ist, sind die Symptome eines Mangels vielfältig und schwer einem einzelnen Nährstoff zuzuordnen. In der Praxis tritt ein Mangel an Vitamin B5 fast immer gemeinsam mit dem Defizit anderer Nährstoffe auf. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei chronischem Alkoholmissbrauch, schweren Resorptionsstörungen oder langfristiger unzureichender Nahrungsaufnahme.

Wie sicher ist die Einnahme von Pantothensäure?

Pantothensäure gilt als sehr sicher und gut verträglich, selbst in Mengen, die deutlich über der üblichen Zufuhr liegen. Laut Institute of Medicine (1998) ließ sich aufgrund fehlender Hinweise auf schädliche Wirkungen kein tolerierbarer oberer Aufnahmewert festlegen.

Als wasserlösliches Vitamin werden überschüssige Mengen größtenteils über den Urin ausgeschieden, sodass eine Anreicherung im Körper kaum vorkommt. In sehr hohen Dosierungen, wie sie nur über Nahrungsergänzungsmittel erreichbar sind, wurden gelegentlich milde Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall beschrieben. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht dokumentiert.

Trotz der guten Verträglichkeit bedeutet eine hohe Zufuhr nicht automatisch einen gesundheitlichen Zusatznutzen. Für gesunde Menschen mit ausgewogener Ernährung besteht in der Regel kein Anlass für eine Supplementierung. Wer dennoch Präparate einnimmt, sollte mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten bedenken und im Zweifelsfall ärztlichen Rat einholen.

Welche Bedeutung hat Pantothensäure in der Forschung?

Pantothensäure ist zwar seit Langem als essenzielles Vitamin etabliert, doch über die grundlegende Coenzym-A-Funktion hinausgehende therapeutische Effekte sind bislang nur unzureichend belegt. Hier ist eine nüchterne Einordnung zwischen gesicherter Datenlage und vorläufigen Hinweisen wichtig.

Gesichert ist die Rolle der Pantothensäure als Vorstufe von Coenzym A und Acyl-Carrier-Protein und damit ihre Unverzichtbarkeit für Energiegewinnung, Fettsäure- und Cholesterinstoffwechsel. Diese biochemischen Grundlagen sind unbestritten und gut dokumentiert, wie Tahiliani und Beinlich (1991) zusammenfassen.

Vorläufig sind hingegen Hinweise auf weitergehende Schutzwirkungen. Laut Wojtczak und Slyshenkov (2003) könnte Pantothensäure über eine Steigerung des Glutathionspiegels antioxidative und zellschützende Effekte entfalten – Beobachtungen, die jedoch überwiegend aus experimentellen Zellmodellen stammen und nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar sind. In eine ähnliche Richtung weist die Untersuchung von Felker und Kollegen (2014), die einen möglichen schützenden Effekt einer kombinierten Behandlung mit Carnitin und Pantothensäure gegenüber einer durch den Wirkstoff Valproinsäure ausgelösten Leberschädigung beschreiben. Auch diese Ergebnisse sind als vorläufig zu betrachten und rechtfertigen keine allgemeinen Empfehlungen.

Verbreitete Anwendungen, etwa in der Hautpflege mit dem Provitamin Dexpanthenol, beruhen auf der wundheilungsfördernden und feuchtigkeitsspendenden Wirkung in der Haut, betreffen jedoch die lokale Anwendung und nicht den ernährungsphysiologischen Vitaminstatus. Insgesamt bleibt festzuhalten: Die fundamentale Bedeutung der Pantothensäure im Stoffwechsel ist eindeutig, während viele darüber hinausgehende gesundheitsbezogene Versprechen wissenschaftlich noch nicht ausreichend abgesichert sind.

Häufige Fragen

Ist Pantothensäure dasselbe wie Vitamin B5?

Ja. Pantothensäure und Vitamin B5 bezeichnen denselben Stoff. Es handelt sich um ein wasserlösliches B-Vitamin, das als Baustein von Coenzym A für den Energiestoffwechsel unverzichtbar ist. Die Bezeichnung „B5" verweist auf seine Einordnung innerhalb der Gruppe der B-Vitamine.

Muss ich Pantothensäure als Nahrungsergänzung einnehmen?

Für die meisten gesunden Menschen ist eine Supplementierung nicht notwendig. Pantothensäure kommt in nahezu allen Lebensmitteln vor, sodass eine ausgewogene Mischkost den Bedarf von etwa 5 mg pro Tag in der Regel zuverlässig deckt. Ein isolierter Mangel ist äußerst selten.

Kann man zu viel Pantothensäure aufnehmen?

Eine Überdosierung über die Ernährung ist praktisch ausgeschlossen. Als wasserlösliches Vitamin werden überschüssige Mengen über den Urin ausgeschieden. Laut Institute of Medicine (1998) ließ sich kein oberer Aufnahmewert festlegen. Sehr hohe Dosen aus Präparaten können gelegentlich milde Magen-Darm-Beschwerden auslösen.

Welche Lebensmittel sind besonders reich an Pantothensäure?

Besonders gehaltvoll sind Leber und andere Innereien, Eigelb, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte sowie Pilze wie Champignons. Auch Avocado, Brokkoli, Fleisch, Fisch und Milchprodukte tragen zur Versorgung bei. Da das Vitamin hitzeempfindlich ist, hilft eine schonende Zubereitung, den Gehalt zu bewahren.

Welche Aufgaben erfüllt Pantothensäure im Stoffwechsel?

Pantothensäure ist Baustein von Coenzym A und dem Acyl-Carrier-Protein. Dadurch ist sie zentral an der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen beteiligt sowie am Aufbau von Fettsäuren, Cholesterin, Steroidhormonen und dem Botenstoff Acetylcholin. Ohne sie funktionieren diese Stoffwechselwege nicht.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Mangel?

Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei chronischem Alkoholmissbrauch, schweren Resorptionsstörungen oder langfristig stark unzureichender Nahrungsaufnahme. In solchen Fällen tritt ein Pantothensäuremangel meist gemeinsam mit anderen Nährstoffdefiziten auf. Bei gesunder, ausgewogener Ernährung ist ein Mangel hingegen sehr unwahrscheinlich.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Er stellt kein Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden, vor einer gezielten Supplementierung oder bei bestehenden Vorerkrankungen wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder qualifiziertes Fachpersonal.

Wissenschaftliche Quellen

Ausgewählte begutachtete Übersichtsarbeiten zu diesem Thema:

  • Tahiliani AG, Beinlich CJ.: Pantothenic acid in health and disease. Vitam Horm, 1991. doi:10.1016/s0083-6729(08)60684-6
  • Wojtczak L, Slyshenkov VS.: Protection by pantothenic acid against apoptosis and cell damage by oxygen free radicals--the role of glutathione. Biofactors, 2003. doi:10.1002/biof.5520170107
  • Brown GM, Williamson JM.: Biosynthesis of riboflavin, folic acid, thiamine, and pantothenic acid. Adv Enzymol Relat Areas Mol Biol, 1982. doi:10.1002/9780470122983.ch9
  • Institute of Medicine (US) Standing Committee on the Scientific Evaluation of Dietary Reference Intakes and its Panel on Folate, Other B Vitamins, and Choline.: Dietary Reference Intakes for Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Folate, Vitamin B12, Pantothenic Acid, Biotin, and Choline. 1998. doi:10.17226/6015
  • Felker D, Lynn A, Wang S et al.: Evidence for a potential protective effect of carnitine-pantothenic acid co-treatment on valproic acid-induced hepatotoxicity. Expert Rev Clin Pharmacol, 2014. doi:10.1586/17512433.2014.871202

Quellen über Europe PMC ermittelt. Bitte Originalarbeiten konsultieren.