Verstehen Aktualisiert: Juni 2026 · ca. 7 Min.

Bor bei Schwangerschaft

Bor bei Schwangerschaft ist die Betrachtung des Spurenelements Bor im Kontext von Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderwunsch.

Lebensmittel mit bor
Inhalt

Bor bei Schwangerschaft ist die Betrachtung des Spurenelements Bor im Kontext von Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderwunsch. Bor ist ein ultrasporenartiges Element, das den Mineralstoffwechsel beeinflusst. Es gilt nicht als essenziell für den Menschen, wird jedoch über pflanzliche Lebensmittel und Wasser aufgenommen. Für Schwangere existiert kein offizieller Referenzwert.

Kennzahl Angabe
Offizieller Referenzwert (Schwangerschaft) Nicht festgelegt (kein essenzieller Status)
Geschätzte übliche Zufuhr (Erwachsene) etwa 1–3 mg pro Tag über die Ernährung
Tolerierbare Obergrenze (EFSA, Erwachsene) 20 mg pro Tag (UL)
Hauptquellen Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trinkwasser
Risiko bei Überdosierung Reproduktionstoxizität in Tierstudien (hohe Dosen)

Was ist Bor und welche Rolle spielt es im Körper?

Bor ist ein Halbmetall und gehört zu den sogenannten ultrasporenartigen Elementen, deren Vorkommen im menschlichen Körper sehr gering ist. Es wird vorwiegend über pflanzliche Nahrung und Trinkwasser aufgenommen und überwiegend über den Urin ausgeschieden. Eine spezifische, lebensnotwendige biochemische Funktion von Bor beim Menschen ist bislang nicht eindeutig nachgewiesen.

In der Forschung wird Bor mit dem Knochen- und Mineralstoffwechsel in Verbindung gebracht. Diskutiert werden mögliche Einflüsse auf den Calcium-, Magnesium- und Vitamin-D-Haushalt sowie auf hormonelle Prozesse. Diese Beobachtungen stammen überwiegend aus experimentellen Untersuchungen und kleinen Studien und erlauben keine gesicherten Aussagen über einen konkreten Nutzen während der Schwangerschaft.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Bor als Nahrungsbestandteil und Bor als Element in technischen oder medizinisch-physikalischen Anwendungen. Bestimmte Borverbindungen besitzen besondere physikalische und chemische Eigenschaften, die in Materialwissenschaft und Pharmaforschung untersucht werden. Diese Anwendungsfelder haben jedoch nichts mit der ernährungsbezogenen Borzufuhr in der Schwangerschaft zu tun.

Wie viel Bor pro Tag ist in der Schwangerschaft sinnvoll?

Für Bor existiert in der Schwangerschaft kein offizieller Referenzwert, da das Element nicht als essenziell eingestuft wird. Eine gezielte zusätzliche Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel wird von Fachgesellschaften nicht empfohlen. Die übliche Aufnahme über eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung gilt als ausreichend und unbedenklich.

Die durchschnittliche tägliche Borzufuhr von Erwachsenen liegt je nach Ernährungsweise und Region schätzungsweise im Bereich von etwa 1 bis 3 Milligramm. Menschen mit obst-, gemüse- und hülsenfruchtreicher Kost nehmen tendenziell mehr Bor auf als Personen mit überwiegend tierischer Ernährung. Diese Mengen werden über normale Lebensmittel mühelos erreicht.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Erwachsene eine tolerierbare obere Aufnahmemenge (UL) von 20 Milligramm Bor pro Tag abgeleitet. Für Schwangere und Stillende wird empfohlen, diese Grenze nicht durch Supplemente auszuschöpfen, da gerade in dieser Lebensphase ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis besteht. Hochdosierte Borpräparate sind in der Schwangerschaft nicht angezeigt.

Welche Lebensmittel enthalten Bor?

Bor steckt überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln, da Pflanzen das Element aus dem Boden aufnehmen und für ihr Wachstum benötigen. Eine abwechslungsreiche pflanzenbetonte Ernährung deckt den geschätzten Bedarf zuverlässig ab, ohne dass eine gezielte Anreicherung notwendig wäre.

  • Obst: Äpfel, Birnen, Trauben, Pflaumen, Rosinen und andere Trockenfrüchte
  • Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Kichererbsen
  • Nüsse und Samen: Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse
  • Gemüse: Brokkoli, Blattgemüse, Avocado
  • Getränke: Trinkwasser je nach regionalem Borgehalt, Kaffee, Wein (für Schwangere ist Alkohol jedoch zu meiden)

Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte enthalten in der Regel deutlich weniger Bor. Der Borgehalt einzelner Lebensmittel schwankt erheblich, da er stark von Bodenbeschaffenheit, Düngung und Anbauregion abhängt. Aus diesem Grund sind exakte Tabellenwerte nur als grobe Orientierung zu verstehen.

Wie sicher ist Bor während der Schwangerschaft?

Bor aus normaler Nahrung gilt in der Schwangerschaft als sicher, während hoch dosierte Borpräparate gemieden werden sollten. Tierexperimentelle Studien zeigen, dass sehr hohe Bordosen die Fortpflanzung und die Entwicklung des Nachwuchses beeinträchtigen können. Diese Beobachtungen begründen die vorsichtige Haltung gegenüber Supplementen.

Die in Tierversuchen beobachteten nachteiligen Effekte traten bei Dosierungen auf, die weit über der normalen ernährungsbedingten Zufuhr des Menschen liegen. Aus diesen Daten leiteten Behörden Sicherheitsmargen und die tolerierbare obere Aufnahmemenge ab. Über die übliche Ernährung ist eine Überschreitung dieser Grenze praktisch nicht zu erwarten.

Kritisch sind dagegen konzentrierte Nahrungsergänzungsmittel, die Bor in Milligrammmengen liefern und beworben werden, um Hormonhaushalt oder Knochengesundheit zu beeinflussen. Da der Nutzen einer solchen Supplementierung in der Schwangerschaft nicht belegt ist und ein theoretisches Risiko besteht, ist von einer eigenmächtigen Einnahme abzuraten. Eine ärztliche Rücksprache ist in jedem Fall ratsam.

Was ist über Bor in Medizin und Forschung bekannt?

In der naturwissenschaftlichen Forschung wird Bor wegen seiner besonderen Kern- und Materialeigenschaften intensiv untersucht, allerdings unabhängig von Fragen der Ernährung in der Schwangerschaft. Diese Anwendungsfelder verdeutlichen die chemische Vielseitigkeit des Elements, sind jedoch nicht auf die Nahrungsaufnahme übertragbar.

Laut Barth, Coderre, Vicente et al. (2005) wird die Bor-Neutroneneinfangtherapie als experimenteller Ansatz in der Krebsbehandlung erforscht, bei dem borhaltige Substanzen gezielt in Tumorzellen eingebracht und anschließend mit Neutronen bestrahlt werden. Laut Coderre und Morris (1999) beruht das therapeutische Prinzip auf der strahlenbiologischen Reaktion, die bei der Neutroneneinfangreaktion in unmittelbarer Nähe der Tumorzellen entsteht. Diese Verfahren sind hochspezialisierte medizinische Anwendungen.

Diese Forschungsfelder belegen das wissenschaftliche Interesse an Bor, lassen jedoch keinerlei Rückschlüsse auf einen ernährungsphysiologischen Nutzen einer Borsupplementierung in der Schwangerschaft zu. Sie betreffen physikalische, pharmazeutische und materialtechnische Eigenschaften und nicht die Versorgung mit Bor als Nahrungsbestandteil.

Gibt es einen Borbedarf oder Bormangel in der Schwangerschaft?

Ein klassischer Bormangel mit definierten Krankheitszeichen ist beim Menschen nicht beschrieben, weshalb auch in der Schwangerschaft kein nachgewiesenes Mangelrisiko besteht. Da Bor nicht als essenziell gilt, lassen sich weder ein gesicherter Bedarf noch typische Mangelsymptome eindeutig festlegen.

Untersuchungen am Menschen deuten lediglich auf mögliche, vorläufige Zusammenhänge zwischen sehr niedriger Borzufuhr und Veränderungen im Mineral- und Hormonstoffwechsel hin. Diese Hinweise stammen aus kleinen Studien und experimentellen Modellen, sind nicht eindeutig auf die Schwangerschaft übertragbar und reichen nicht aus, um eine gezielte Zufuhr zu begründen.

Für die Schwangerschaft stehen andere Mikronährstoffe wie Folsäure, Jod, Eisen und Vitamin D im Vordergrund, deren Bedeutung wissenschaftlich gut belegt ist. Die Aufmerksamkeit sollte daher auf eine ausgewogene Ernährung und auf die gezielt empfohlenen Nährstoffe gerichtet werden, während Bor durch normale Kost ausreichend mitversorgt wird.

Häufige Fragen

Muss ich in der Schwangerschaft Bor zusätzlich einnehmen?

Nein. Für Bor gibt es in der Schwangerschaft keinen offiziellen Referenzwert und keine Supplementierungsempfehlung. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung mit Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen deckt die übliche Zufuhr ab. Hochdosierte Borpräparate sind nicht angezeigt und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache erwogen werden.

Kann zu viel Bor dem ungeborenen Kind schaden?

Sehr hohe Bordosen wirkten in Tierversuchen reproduktionstoxisch und beeinträchtigten die Entwicklung des Nachwuchses. Diese Dosen liegen weit über der normalen Ernährungszufuhr. Über Lebensmittel ist ein Schaden unwahrscheinlich, hochdosierte Supplemente sollten jedoch gemieden werden. Die EFSA nennt für Erwachsene eine Obergrenze von 20 Milligramm täglich.

Welche Lebensmittel liefern in der Schwangerschaft Bor?

Gute Borquellen sind Obst wie Äpfel und Trockenfrüchte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Blattgemüse und Avocado sowie Trinkwasser. Tierische Produkte enthalten meist weniger Bor. Da der Gehalt regional schwankt, sorgt vor allem eine abwechslungsreiche pflanzenbetonte Kost für eine ausreichende und unbedenkliche Versorgung.

Gibt es einen nachgewiesenen Bormangel in der Schwangerschaft?

Nein. Ein definierter Bormangel mit Krankheitszeichen ist beim Menschen nicht beschrieben. Bor gilt nicht als essenziell, sodass weder ein gesicherter Bedarf noch typische Mangelsymptome festgelegt sind. Vorläufige Studienhinweise auf Stoffwechseleffekte reichen nicht aus, um in der Schwangerschaft eine gezielte Zufuhr zu rechtfertigen.

Hat die Bor-Neutroneneinfangtherapie etwas mit Ernährung zu tun?

Nein. Die Bor-Neutroneneinfangtherapie ist laut Barth, Coderre, Vicente et al. (2005) ein experimenteller Ansatz in der Krebsbehandlung und betrifft hochspezialisierte medizinische Verfahren. Sie hat keinen Bezug zur ernährungsbedingten Borzufuhr und erlaubt keine Aussagen über einen Nutzen von Borpräparaten in der Schwangerschaft.

Worauf sollte ich bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Bor achten?

In der Schwangerschaft sollten borhaltige Supplemente, die mit Hormon- oder Knochenwirkungen beworben werden, gemieden werden, da ein Nutzen nicht belegt und ein theoretisches Risiko vorhanden ist. Prüfen Sie Präparate auf ihren Borgehalt und besprechen Sie jede Einnahme vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Es werden keine Heilversprechen gegeben. Schwangere und Stillende sollten Entscheidungen zur Nährstoffzufuhr und zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln stets mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal abstimmen.

Wissenschaftliche Quellen

Ausgewählte begutachtete Übersichtsarbeiten zu diesem Thema:

  • Golberg D, Bando Y, Huang Y et al.: Boron nitride nanotubes and nanosheets. ACS Nano, 2010. doi:10.1021/nn1006495
  • Barth RF, Coderre JA, Vicente MG et al.: Boron neutron capture therapy of cancer: current status and future prospects. Clin Cancer Res, 2005. doi:10.1158/1078-0432.ccr-05-0035
  • Issa F, Kassiou M, Rendina LM.: Boron in drug discovery: carboranes as unique pharmacophores in biologically active compounds. Chem Rev, 2011. doi:10.1021/cr2000866
  • Coderre JA, Morris GM.: The radiation biology of boron neutron capture therapy. Radiat Res, 1999. doi:10.2307/3579742

Quellen über Europe PMC ermittelt. Bitte Originalarbeiten konsultieren.