Bor Glossar
Bor ist ein chemisches Spurenelement (Symbol B, Ordnungszahl 5), das in geringen Mengen über pflanzliche Lebensmittel und Trinkwasser aufgenommen wird.
Inhalt
Bor ist ein chemisches Spurenelement (Symbol B, Ordnungszahl 5), das in geringen Mengen über pflanzliche Lebensmittel und Trinkwasser aufgenommen wird. Es gilt als möglicherweise nützlich für Knochenstoffwechsel, Hormonregulation und Gehirnfunktion, ist jedoch nicht als essenziell für den Menschen anerkannt. Ein offizieller Referenzwert existiert nicht.
| Kennzahl | Angabe |
|---|---|
| Element / Symbol | Bor / B, Ordnungszahl 5 |
| Geschätzte tägliche Zufuhr | ca. 1–3 mg (Schätzwerte, kein offizieller Referenzwert) |
| Hauptquellen | Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Gemüse, Trinkwasser |
| Mögliche Funktion | Knochen-, Mineral- und Hormonstoffwechsel (vorläufig) |
| Tolerierbare Obergrenze (EFSA) | 20 mg/Tag für Erwachsene |
Was ist Bor und wie wird es eingeordnet?
Bor ist ein Halbmetall, das in der Natur niemals elementar, sondern stets in Verbindung mit Sauerstoff als Borat oder Borsäure vorkommt. In der menschlichen Ernährung zählt es zu den sogenannten ultraspurenelementen – Stoffen, die in sehr geringen Konzentrationen im Körper nachweisbar sind. Anders als Eisen, Zink oder Selen ist Bor nicht als essenzielles Nährelement für den Menschen klassifiziert, da bislang kein eindeutiger, lebensnotwendiger biochemischer Mechanismus gesichert wurde.
Dennoch häufen sich Hinweise, dass Bor an verschiedenen physiologischen Prozessen beteiligt sein könnte. In der Pflanzenwelt gilt Bor hingegen als unbestritten essenziell, da es für Zellwandstabilität und Wachstum benötigt wird. Aus diesem Grund ist die Hauptquelle für die menschliche Borzufuhr pflanzlich. Über die reine Ernährung hinaus besitzt Bor eine bemerkenswerte Bedeutung in Technik und Medizin, etwa in der Materialwissenschaft und der Krebsforschung.
Welche Funktionen hat Bor im Körper?
Bor wird mit dem Knochen-, Mineral- und Hormonstoffwechsel in Verbindung gebracht, wobei die Datenlage überwiegend vorläufig ist. Es scheint die Verwertung von Calcium, Magnesium und Vitamin D zu beeinflussen und könnte dadurch indirekt zur Knochengesundheit beitragen. Auch ein Einfluss auf den Spiegel bestimmter Steroidhormone wie Östrogen und Testosteron wird diskutiert.
Mögliche biologische Ansatzpunkte umfassen:
- Knochenmineralisierung: Bor könnte die Aktivität von Enzymen und die Mineralhomöostase beeinflussen.
- Hormonregulation: Hinweise auf eine Modulation von Sexual- und Vitamin-D-Stoffwechsel.
- Entzündungsprozesse: In Tier- und Zellmodellen wurden entzündungsmodulierende Effekte beobachtet.
- Kognitive Funktion: Vorläufige Studien deuten auf einen Zusammenhang mit Aufmerksamkeit und Gedächtnis hin.
Wichtig ist die Einordnung: Diese Funktionen sind nicht abschließend belegt. Bor besitzt keinen anerkannten Status als Vitamin oder essenzieller Mineralstoff, und viele Beobachtungen stammen aus kleinen Studien oder Tiermodellen.
Wie viel Bor pro Tag ist sinnvoll?
Es existiert kein offizieller Referenzwert für die tägliche Borzufuhr, da Bor nicht als essenziell gilt. Schätzungen zur durchschnittlichen Aufnahme über die Nahrung liegen bei etwa 1 bis 3 Milligramm pro Tag, abhängig von Ernährungsgewohnheiten und der Borkonzentration im Trinkwasser. Eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung führt tendenziell zu höheren Zufuhrmengen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine tolerierbare Obergrenze (UL) für die gesamte Bor-Aufnahme von 20 Milligramm pro Tag für Erwachsene festgelegt. Dieser Wert dient dem Schutz vor möglichen Nebenwirkungen bei dauerhaft hoher Zufuhr. Da die übliche Ernährung diese Menge deutlich unterschreitet, ist ein Mangel ebenso wie eine Überdosierung über normale Lebensmittel unwahrscheinlich.
Welche Lebensmittel enthalten Bor?
Bor findet sich vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln, während tierische Produkte und Getreide eher geringe Mengen liefern. Die Gehalte schwanken stark, da sie vom Borgehalt des Bodens und des Bewässerungswassers abhängen.
Zu den vergleichsweise borreichen Lebensmitteln zählen:
- Obst: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Rosinen, Trauben, Avocado
- Nüsse und Samen: Mandeln, Haselnüsse, Erdnüsse, Walnüsse
- Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen, Kichererbsen
- Gemüse: Brokkoli, Karotten, Blattgemüse
- Getränke: bestimmte Mineralwässer, Wein, Apfelsaft
Eine ausgewogene, an Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten reiche Ernährung deckt den geschätzten Bedarf in der Regel problemlos. Eine gezielte Supplementierung ist für gesunde Menschen ernährungsphysiologisch nicht begründet.
Wie sicher ist Bor und welche Risiken bestehen?
Bor gilt in den über die Nahrung üblicherweise aufgenommenen Mengen als sicher, während sehr hohe Dosen aus Nahrungsergänzungsmitteln oder industriellen Quellen toxisch wirken können. Die EFSA-Obergrenze von 20 mg pro Tag bietet einen großen Sicherheitsabstand zu den durchschnittlichen Aufnahmemengen.
Akute Vergiftungen treten erst bei sehr hohen Mengen auf und äußern sich unter anderem durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Hautreaktionen. Chronisch überhöhte Zufuhr wurde in Tierstudien mit Auswirkungen auf die Fortpflanzung in Verbindung gebracht, weshalb die Obergrenze konservativ festgelegt ist. Schwangere, Stillende und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten Borsupplemente meiden, da Bor überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird.
Welche Bedeutung hat Bor in Medizin und Technik?
Über die Ernährung hinaus besitzt Bor eine wachsende Bedeutung in der medizinischen Forschung und der Materialwissenschaft. Borhaltige Verbindungen werden zunehmend als wertvolle Bausteine im Wirkstoffdesign und in innovativen Therapieverfahren untersucht.
Ein etabliertes Anwendungsfeld ist die Bor-Neutroneneinfangtherapie (Boron Neutron Capture Therapy, BNCT) in der Krebsbehandlung. Dabei wird eine borhaltige Substanz selektiv in Tumorzellen angereichert und anschließend mit Neutronen bestrahlt; die dabei entstehende Strahlung schädigt vorrangig die Tumorzellen. Laut Barth, Coderre, Vicente et al. (2005) ist BNCT ein binäres Bestrahlungsverfahren, dessen klinischer Status und Zukunftsperspektiven Gegenstand intensiver Forschung sind. Laut Coderre und Morris (1999) beruht die strahlenbiologische Wirksamkeit der BNCT maßgeblich auf der kurzen Reichweite der bei der Neutroneneinfangreaktion freigesetzten Teilchen, wodurch eine vergleichsweise gezielte Schädigung borbeladener Zellen möglich wird.
In der Arzneimittelforschung gewinnen borhaltige Strukturen an Bedeutung. Laut Issa, Kassiou und Rendina (2011) stellen Carborane einzigartige Pharmakophore dar, die aufgrund ihrer besonderen geometrischen und elektronischen Eigenschaften in biologisch aktiven Verbindungen genutzt werden können. Solche Strukturen eröffnen neue Wege im Design von Wirkstoffen.
Wie ist die Studienlage zu Bor einzuordnen?
Die wissenschaftliche Evidenz zu Bor ist gemischt: Während technische und medizinische Anwendungen borhaltiger Verbindungen gut dokumentiert sind, bleibt die ernährungsphysiologische Rolle des Spurenelements weitgehend vorläufig. Es lassen sich drei Ebenen unterscheiden:
- Gut belegt: die chemischen Eigenschaften von Bor sowie der Einsatz spezialisierter Borverbindungen in Forschung, Technik und experimenteller Medizin.
- Vorläufig: die mögliche Beteiligung von Bor am Knochen-, Mineral- und Hormonstoffwechsel beim Menschen, gestützt auf kleinere Studien und Tiermodelle.
- Hype: weitreichende Gesundheitsversprechen zu Bor-Supplementen, etwa zur Steigerung von Testosteron oder zur Behandlung von Erkrankungen, sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Für gesunde Menschen mit ausgewogener Ernährung gibt es derzeit keine überzeugende Begründung für eine gezielte Borsupplementierung. Die Forschung zur Rolle von Bor im menschlichen Stoffwechsel ist aktiv, jedoch noch nicht zu eindeutigen Empfehlungen gelangt.
Häufige Fragen
Ist Bor ein essenzieller Mineralstoff?
Nein, Bor ist beim Menschen nicht als essenzieller Mineralstoff anerkannt. Es gibt zwar Hinweise auf eine mögliche Beteiligung am Knochen- und Hormonstoffwechsel, doch ein eindeutiger, lebensnotwendiger biochemischer Mechanismus wurde bislang nicht gesichert. Daher existiert auch kein offizieller Referenzwert für die tägliche Zufuhr.
Wie viel Bor sollte man täglich aufnehmen?
Es gibt keinen offiziellen Referenzwert. Die übliche Zufuhr über Lebensmittel liegt schätzungsweise bei 1 bis 3 Milligramm pro Tag. Die EFSA hat eine tolerierbare Obergrenze von 20 Milligramm täglich für Erwachsene festgelegt. Eine ausgewogene Ernährung deckt den geschätzten Bedarf normalerweise vollständig ab.
Welche Lebensmittel sind besonders borreich?
Besonders borreich sind pflanzliche Lebensmittel wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Rosinen, Mandeln, Haselnüsse, Hülsenfrüchte und Blattgemüse. Auch bestimmte Mineralwässer und Wein tragen zur Zufuhr bei. Tierische Produkte und Getreide enthalten dagegen meist nur geringe Mengen. Die Gehalte schwanken je nach Bodenbeschaffenheit.
Kann man Bor überdosieren?
Über normale Lebensmittel ist eine Überdosierung praktisch ausgeschlossen. Sehr hohe Dosen aus Nahrungsergänzungsmitteln können jedoch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Hautreaktionen verursachen. Die EFSA-Obergrenze von 20 Milligramm pro Tag bietet einen großen Sicherheitsabstand. Schwangere und Menschen mit Nierenproblemen sollten Borsupplemente meiden.
Erhöht Bor den Testosteronspiegel?
Einige kleine Studien deuten auf einen Einfluss von Bor auf Steroidhormone hin, doch die Datenlage ist vorläufig und uneinheitlich. Weitreichende Versprechen zur Testosteronsteigerung durch Borsupplemente sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und sollten kritisch betrachtet werden. Eine gezielte Einnahme zu diesem Zweck ist nicht begründet.
Wofür wird Bor in der Medizin genutzt?
Borhaltige Verbindungen werden unter anderem in der Bor-Neutroneneinfangtherapie zur Krebsbehandlung erforscht sowie als Bausteine im Wirkstoffdesign, etwa in Form von Carboranen. Diese Anwendungen betreffen spezialisierte Borverbindungen und sind nicht mit der ernährungsbezogenen Borzufuhr über Lebensmittel gleichzusetzen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Er enthält keine Heilversprechen. Bei gesundheitlichen Fragen, geplanter Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder bestehenden Erkrankungen wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder qualifizierte Fachpersonen.
Wissenschaftliche Quellen
Ausgewählte begutachtete Übersichtsarbeiten zu diesem Thema:
- Golberg D, Bando Y, Huang Y et al.: Boron nitride nanotubes and nanosheets. ACS Nano, 2010. doi:10.1021/nn1006495
- Barth RF, Coderre JA, Vicente MG et al.: Boron neutron capture therapy of cancer: current status and future prospects. Clin Cancer Res, 2005. doi:10.1158/1078-0432.ccr-05-0035
- Issa F, Kassiou M, Rendina LM.: Boron in drug discovery: carboranes as unique pharmacophores in biologically active compounds. Chem Rev, 2011. doi:10.1021/cr2000866
- Coderre JA, Morris GM.: The radiation biology of boron neutron capture therapy. Radiat Res, 1999. doi:10.2307/3579742
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