Eisenbisglycinat
Eisenbisglycinat ist eine chemische Verbindung aus zweiwertigem Eisen und zwei Molekülen der Aminosäure Glycin, die als organische Eisenform in …
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Eisenbisglycinat ist eine chemische Verbindung aus zweiwertigem Eisen und zwei Molekülen der Aminosäure Glycin, die als organische Eisenform in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt wird. Diese sogenannte Chelatverbindung gilt als gut verträgliche und vergleichsweise gut bioverfügbare Quelle für Eisen, das im Körper unter anderem für den Sauerstofftransport benötigt wird.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Stoffklasse | Organische Eisenverbindung (Aminosäure-Chelat) |
| Eisenform | Zweiwertiges Eisen (Fe²⁺), gebunden an Glycin |
| Referenzwert Eisen (Erwachsene) | Frauen ca. 14–16 mg/Tag, Männer ca. 10–11 mg/Tag (D-A-CH-Referenzwerte) |
| Hauptfunktion des Eisens | Sauerstofftransport, Energiestoffwechsel, Blutbildung |
| Typische Anwendung | Ergänzung bei diagnostiziertem Eisenmangel |
Was ist Eisenbisglycinat genau?
Eisenbisglycinat ist ein Eisen-Aminosäure-Chelat, bei dem ein Eisenion von zwei Glycin-Molekülen umschlossen wird. Der Begriff „Chelat" leitet sich vom griechischen Wort für „Krebsschere" ab und beschreibt, wie die Aminosäure das Mineral wie mit einer Zange umfasst.
Diese ringförmige Struktur unterscheidet Eisenbisglycinat von anorganischen Eisensalzen wie Eisensulfat, Eisenfumarat oder Eisengluconat. Die Einbindung in einen organischen Komplex soll das Eisen während der Passage durch den Verdauungstrakt stabilisieren und Wechselwirkungen mit anderen Nahrungsbestandteilen verringern. Eisen liegt in dieser Verbindung in der zweiwertigen Form (Fe²⁺) vor, die der Körper grundsätzlich besser aufnehmen kann als dreiwertiges Eisen (Fe³⁺).
In Nahrungsergänzungsmitteln wird Eisenbisglycinat als pulverförmige oder kapselgebundene Eisenquelle verwendet. Der tatsächliche Gehalt an elementarem Eisen liegt deutlich unter dem Gesamtgewicht der Verbindung, da ein erheblicher Anteil auf das gebundene Glycin entfällt. Die Mengenangabe auf Produkten bezieht sich daher in der Regel auf das enthaltene reine Eisen.
Welche Rolle spielt Eisen im Körper?
Eisen ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das an zahlreichen grundlegenden Körperfunktionen beteiligt ist – allen voran am Transport von Sauerstoff im Blut.
Der größte Teil des im Körper vorhandenen Eisens ist im roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden, der Sauerstoff von der Lunge zu den Geweben transportiert. Weiteres Eisen findet sich im Muskelfarbstoff Myoglobin sowie in verschiedenen Enzymen. Zu den anerkannten Funktionen von Eisen zählen:
- Beitrag zur normalen Bildung roter Blutkörperchen und von Hämoglobin
- Beitrag zum normalen Sauerstofftransport im Körper
- Beitrag zum normalen Energiestoffwechsel
- Beitrag zur normalen Funktion des Immunsystems
- Beitrag zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung
- Beitrag zur normalen kognitiven Funktion
Diese Funktionen sind dem Spurenelement Eisen selbst zuzuschreiben, unabhängig von der konkreten Verbindung, in der es zugeführt wird. Eisenbisglycinat dient also lediglich als ein möglicher Träger, um den Mineralstoff Eisen bereitzustellen.
Wie wird Eisenbisglycinat vom Körper aufgenommen?
Eisenbisglycinat wird laut verschiedenen wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten vergleichsweise gut aufgenommen, wobei die individuelle Aufnahme stark vom Eisenstatus des Einzelnen abhängt.
Der Körper reguliert die Eisenaufnahme bedarfsorientiert: Bei niedrigen Eisenspeichern wird tendenziell mehr aufgenommen, bei gefüllten Speichern weniger. Ein zentrales Argument für die Chelatform ist, dass das Eisen durch die Glycin-Hülle teilweise vor Bindungspartnern geschützt sein soll, die in normalen Eisensalzen die Aufnahme hemmen können – etwa Phytate aus Getreide und Hülsenfrüchten, Polyphenole aus Kaffee und Tee oder Calcium.
Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass die Eisenaufnahme generell durch begleitende Faktoren beeinflusst wird. Vitamin C (Ascorbinsäure) kann die Aufnahme von Eisen fördern, während Kaffee, schwarzer Tee, Milchprodukte und bestimmte Medikamente sie verringern können. Inwieweit Eisenbisglycinat hier robuster gegenüber Hemmstoffen ist als andere Verbindungen, wird in der Forschung diskutiert; die Datenlage ist heterogen und nicht in jeder Studie eindeutig.
Wie unterscheidet sich Eisenbisglycinat von anderen Eisenformen?
Der zentrale Unterschied liegt in der chemischen Bindungsform: Eisenbisglycinat ist eine organische Chelatverbindung, während klassische Präparate häufig anorganische oder einfache organische Eisensalze verwenden.
Die wichtigsten gebräuchlichen Eisenverbindungen lassen sich grob einordnen:
- Eisensulfat: Weit verbreitete, kostengünstige anorganische Form mit langer Anwendungstradition; gilt als Referenzpräparat, wird aber von manchen Menschen als magen-darm-belastend empfunden.
- Eisenfumarat und Eisengluconat: Weitere gängige Salze mit unterschiedlichem Eisengehalt und unterschiedlicher Verträglichkeit.
- Eisenbisglycinat: Organisches Aminosäure-Chelat, das in mehreren Untersuchungen eine gute Verträglichkeit und Bioverfügbarkeit zeigte.
Ein häufig genannter potenzieller Vorteil von Eisenbisglycinat ist eine möglicherweise geringere Rate an Magen-Darm-Beschwerden im Vergleich zu manchen Eisensalzen. Die Studienlage hierzu ist jedoch uneinheitlich: Einzelne Untersuchungen deuten auf eine bessere Verträglichkeit hin, doch hochwertige, langfristige Vergleichsstudien sind begrenzt. Eine pauschale Überlegenheit lässt sich nach aktuellem Kenntnisstand nicht zuverlässig belegen.
Wann ist eine Eisenergänzung sinnvoll?
Eine Ergänzung mit Eisen – unabhängig von der Verbindung – ist grundsätzlich nur bei einem nachgewiesenen Mangel oder erhöhtem Bedarf sinnvoll und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Eisenmangel zählt weltweit zu den häufigsten Nährstoffmangelzuständen. Zu den Gruppen mit potenziell erhöhtem Risiko gehören:
- Menstruierende Personen, insbesondere bei starker Regelblutung
- Schwangere und Stillende aufgrund des erhöhten Bedarfs
- Personen mit rein pflanzlicher oder eisenarmer Ernährung
- Menschen mit chronischem Blutverlust oder bestimmten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
- Ausdauersportlerinnen und -sportler mit erhöhtem Bedarf
Ein Eisenmangel kann sich durch Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Blässe, Konzentrationsschwierigkeiten, Haarausfall oder Kurzatmigkeit äußern. Diese Symptome sind jedoch unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Vor einer Einnahme sollte der Eisenstatus daher durch eine Blutuntersuchung – insbesondere des Ferritinwerts als Maß für die Eisenspeicher – ärztlich festgestellt werden. Eine unkontrollierte Einnahme von Eisenpräparaten ohne Mangel ist nicht empfehlenswert.
Wie viel Eisen wird pro Tag benötigt?
Der tägliche Eisenbedarf hängt stark von Alter, Geschlecht und Lebensphase ab und wird in den Referenzwerten der Ernährungsgesellschaften definiert.
Nach den D-A-CH-Referenzwerten liegt die empfohlene Zufuhr für erwachsene Männer bei etwa 10 bis 11 Milligramm pro Tag. Für menstruierende Frauen wird ein höherer Wert von ungefähr 14 bis 16 Milligramm pro Tag angesetzt, da regelmäßige Blutverluste den Bedarf erhöhen. In der Schwangerschaft steigt der Bedarf deutlich an. Nach den Wechseljahren sinkt der empfohlene Wert für Frauen wieder auf das Niveau von Männern.
Diese Werte beziehen sich auf die gesamte Eisenzufuhr über Ernährung und gegebenenfalls Ergänzungsmittel zusammen. Bei der Behandlung eines diagnostizierten Mangels können ärztlich verordnete Dosierungen vorübergehend deutlich höher liegen als der reine Erhaltungsbedarf. Die konkrete Dosierung und Dauer einer Eisenergänzung sollte stets individuell mit medizinischer Begleitung festgelegt werden.
Welche Lebensmittel enthalten Eisen?
Eisen lässt sich über eine ausgewogene Ernährung aus tierischen und pflanzlichen Quellen aufnehmen, wobei sich die beiden Eisenformen in ihrer Verfügbarkeit unterscheiden.
Man unterscheidet zwischen Häm-Eisen aus tierischen Lebensmitteln und Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Quellen. Häm-Eisen wird vom Körper in der Regel besser aufgenommen. Eisenreiche Lebensmittel sind unter anderem:
- Tierische Quellen: rotes Fleisch, Innereien (insbesondere Leber), bestimmte Fischarten
- Pflanzliche Quellen: Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen, Vollkornprodukte, Haferflocken, Kürbiskerne, Sesam, Nüsse und grünes Blattgemüse
Die Aufnahme von pflanzlichem Eisen lässt sich durch die gleichzeitige Zufuhr von Vitamin C verbessern, etwa durch Zitrusfrüchte, Paprika oder Beeren zu einer Mahlzeit. Umgekehrt können Kaffee, schwarzer Tee und größere Mengen Calcium die Aufnahme hemmen. Eine gut geplante Ernährung kann bei vielen Menschen den Eisenbedarf decken, ohne dass eine Ergänzung notwendig ist.
Wie sicher ist Eisenbisglycinat?
Eisenbisglycinat gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung in üblichen Mengen als gut verträglich, dennoch sind unerwünschte Wirkungen und Risiken einer Überdosierung zu beachten.
Wie bei anderen Eisenpräparaten können auch unter Eisenbisglycinat Magen-Darm-Beschwerden auftreten, etwa Übelkeit, Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen oder eine dunkle Verfärbung des Stuhls. Diese letztgenannte Verfärbung ist harmlos. Einige Untersuchungen legen nahe, dass die Verträglichkeit im Vergleich zu manchen Eisensalzen besser sein kann, doch ist diese Annahme nicht durchgängig belegt.
Eisen kann bei dauerhaft überhöhter Zufuhr im Körper gespeichert werden und in großen Mengen schädlich wirken. Besondere Vorsicht gilt bei Erkrankungen mit erhöhter Eisenspeicherung wie der Hämochromatose. Eisenpräparate können zudem die Aufnahme bestimmter Medikamente beeinflussen, weshalb zeitliche Abstände eingehalten werden sollten. Für Kinder besteht ein erhebliches Vergiftungsrisiko, weshalb Eisenpräparate unzugänglich aufzubewahren sind. Eine Einnahme ohne nachgewiesenen Bedarf wird nicht empfohlen.
Was sagt die Studienlage zu Eisenbisglycinat?
Die wissenschaftliche Evidenz zu Eisenbisglycinat ist vorhanden, aber begrenzt und uneinheitlich – belegt ist vor allem, dass es eine wirksame Eisenquelle darstellt.
Mehrere kleinere und mittelgroße Studien sowie Übersichtsarbeiten haben sich mit der Bioverfügbarkeit und Verträglichkeit von Eisenbisglycinat befasst. Tendenziell deuten diese Arbeiten auf eine gute Aufnahme und teils eine bessere gastrointestinale Verträglichkeit gegenüber Eisensulfat hin. Gleichzeitig gibt es Studien, die keine eindeutigen Unterschiede feststellten. Die Heterogenität der Untersuchungen – unterschiedliche Dosierungen, Studiendesigns und Teilnehmergruppen – erschwert eine abschließende Bewertung.
Als gut belegt gilt: Eisenbisglycinat ist eine geeignete Eisenquelle, deren Wirkung letztlich auf dem zugeführten Eisen beruht. Als vorläufig einzuordnen sind Aussagen über eine eindeutige Überlegenheit hinsichtlich Aufnahme oder Verträglichkeit. Marketingaussagen, die Eisenbisglycinat als generell „beste" Eisenform darstellen, gehen über die gesicherte Datenlage hinaus. Die Wahl einer geeigneten Eisenform sollte individuell und idealerweise in ärztlicher Abstimmung erfolgen.
Häufige Fragen
Ist Eisenbisglycinat besser als Eisensulfat?
Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Einige Studien deuten auf eine bessere Verträglichkeit und gute Aufnahme von Eisenbisglycinat hin, doch die Evidenz ist uneinheitlich. Eisensulfat gilt weiterhin als bewährtes Referenzpräparat. Welche Form individuell geeignet ist, hängt von Verträglichkeit, Bedarf und ärztlicher Einschätzung ab.
Wann sollte man Eisenbisglycinat einnehmen?
Eisen wird häufig morgens oder zwischen den Mahlzeiten empfohlen, um die Aufnahme zu begünstigen, sofern es vertragen wird. Die gleichzeitige Zufuhr von Vitamin C kann die Aufnahme unterstützen, während Kaffee, Tee und Milchprodukte sie hemmen können. Die konkrete Einnahmeempfehlung sollte ärztlich oder über die Packungsangaben erfolgen.
Verursacht Eisenbisglycinat Verstopfung?
Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung können bei allen Eisenpräparaten auftreten. Für Eisenbisglycinat wird in manchen Untersuchungen eine bessere Verträglichkeit beschrieben, doch lässt sich dies nicht garantieren. Treten anhaltende Beschwerden auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, statt die Einnahme eigenmächtig zu verändern oder fortzusetzen.
Kann man Eisenbisglycinat ohne Mangel einnehmen?
Eine vorbeugende Einnahme ohne nachgewiesenen Eisenmangel wird nicht empfohlen. Eisen kann sich im Körper anreichern und bei Überdosierung schädlich wirken. Vor einer Ergänzung sollte der Eisenstatus, insbesondere der Ferritinwert, ärztlich überprüft werden. Eine Einnahme „auf Verdacht" ist nicht ratsam und kann Risiken bergen.
Ist Eisenbisglycinat für Veganer geeignet?
Eisenbisglycinat besteht aus Eisen und der Aminosäure Glycin, die synthetisch oder aus unterschiedlichen Quellen gewonnen werden kann. Ob ein konkretes Produkt für eine vegane Ernährung geeignet ist, hängt von der Herstellung und den verwendeten Hilfsstoffen ab. Entsprechende Angaben sollten der Produktkennzeichnung entnommen werden.
Wie lange dauert es, bis Eisen wirkt?
Eine Verbesserung der Eisenspeicher und Blutwerte zeigt sich meist erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Einnahme. Subjektive Verbesserungen von Symptomen wie Müdigkeit können ebenfalls einige Wochen in Anspruch nehmen. Der Therapieerfolg sollte durch ärztliche Kontrolle der Blutwerte überprüft werden, um Dosierung und Dauer anzupassen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Er stellt kein Heilversprechen dar. Vor der Einnahme von Eisenbisglycinat oder anderen Eisenpräparaten sollte insbesondere bei Verdacht auf Eisenmangel, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Vorerkrankungen oder gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten ärztlicher Rat eingeholt werden. Eine unkontrollierte oder überhöhte Einnahme von Eisen kann gesundheitsschädlich sein.
Top-Lebensmittel mit Eisen
Gehalt je 100 g · Quelle: USDA FoodData Central
| Lebensmittel | je 100 g |
|---|---|
| Gans Leber, gebraten ohne Fett (Pfanne) | 45.3 mg |
| Ente Leber, gebraten ohne Fett (Pfanne) | 42.6 mg |
| Gänseleber in Aspik | 35.8 mg |
| Ente Leber, roh | 30.5 mg |
| Ente Leber, tiefgefroren | 30.5 mg |
| Gans Leber, roh | 30.5 mg |
| Kakaomasse | 19.9 mg |
| Schwein Leber, gebraten ohne Fett (Pfanne) | 19.86 mg |
| Westfälischer Panhas (Mehlblutwurst) | 18.85 mg |
| Schwein Leber, roh | 17.98 mg |
| Schwein Leber, tiefgefroren | 17.98 mg |
| Hähnchen Leber, gebraten ohne Fett (Pfanne) | 16.31 mg |
Werte je 100 g essbarer Anteil, gerundet. Mehr im Nährwert-Tool.