Anwenden ★ Kernartikel Aktualisiert: Juni 2026 · ca. 8 Min.

Vitamin K Dosierung

Praktischer Ratgeber: Vitamin K Dosierung. Tipps zur Einnahme, Dosierung und Anwendung. Alles was du wissen musst.

Lebensmittel mit vitamin-k
Inhalt

Vitamin K Dosierung ist die bedarfsgerechte Zufuhr des fettlöslichen Vitamins K (Phyllochinon K1 und Menachinone K2), die laut deutschsprachigen Referenzwerten für erwachsene Frauen etwa 60–65 µg und für Männer etwa 70–80 µg pro Tag beträgt. Sie sichert Blutgerinnung und Knochenstoffwechsel und erfordert bei Gerinnungshemmern besondere Vorsicht.

KennzahlWert / Aussage
Referenzwert Erwachsene (Schätzwert)Frauen ca. 60–65 µg/Tag, Männer ca. 70–80 µg/Tag
HauptfunktionCo-Faktor der γ-Carboxylierung Vitamin-K-abhängiger Proteine (Gerinnung, Knochen)
MangelzeichenVerlängerte Blutungszeit, Hämatomneigung, gestörte Hämostase
Wichtige WechselwirkungVitamin-K-Antagonisten (Cumarine) als Gerinnungshemmer
FormenK1 (Phyllochinon), K2 (Menachinone MK-4 bis MK-7)

Was ist Vitamin K und warum ist die Dosierung wichtig?

Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, das als Co-Faktor des Enzyms γ-Glutamylcarboxylase wirkt und damit zahlreiche Proteine in eine biologisch aktive Form überführt. Eine angemessene Dosierung ist relevant, weil sowohl ein Mangel als auch Wechselwirkungen mit Medikamenten klinisch bedeutsam sein können.

Man unterscheidet zwei Hauptformen: Vitamin K1 (Phyllochinon) kommt überwiegend in grünem Blattgemüse vor, während Vitamin K2 (Menachinone) von Bakterien gebildet wird und in fermentierten Lebensmitteln sowie tierischen Produkten vorkommt. Beide Formen tragen zur Versorgung bei, unterscheiden sich jedoch in Aufnahme und Verweildauer im Körper.

Die biologische Bedeutung erstreckt sich über die Blutgerinnung hinaus. Laut Hauschka, Lian, Cole et al. (1989) sind Osteocalcin und Matrix-Gla-Protein Vitamin-K-abhängige Proteine im Knochen, was die Rolle des Vitamins im Knochenstoffwechsel verdeutlicht. Diese Proteine benötigen die Vitamin-K-abhängige Carboxylierung, um Calcium binden zu können.

Wie wirkt Vitamin K im Körper?

Vitamin K wirkt als unverzichtbarer Co-Faktor bei der posttranslationalen Carboxylierung von Glutaminsäureresten in bestimmten Proteinen. Erst diese chemische Modifikation befähigt die Proteine, Calciumionen zu binden und ihre Funktion auszuüben – besonders in der Gerinnungskaskade und im Knochengewebe.

Zu den Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren zählen die Faktoren II (Prothrombin), VII, IX und X sowie die regulatorischen Proteine C und S. Laut Mann, Nesheim, Church et al. (1990) laufen die Reaktionen der Vitamin-K-abhängigen Enzymkomplexe oberflächenabhängig ab, das heißt sie sind an Phospholipidmembranen gebunden und stark von Calcium abhängig. Diese Membranbindung ist nur durch die carboxylierten Gla-Domänen möglich.

Im Anschluss an die Carboxylierung wird Vitamin K im sogenannten Vitamin-K-Zyklus enzymatisch recycelt. Genau an diesem Zyklus setzen Vitamin-K-Antagonisten an, indem sie das regenerierende Enzym hemmen und so die Bildung funktionsfähiger Gerinnungsfaktoren vermindern. Dieser Mechanismus erklärt die enge Verzahnung von Vitamin-K-Versorgung und gerinnungshemmender Therapie.

Wie viel Vitamin K pro Tag wird empfohlen?

Für gesunde Erwachsene liegen die im deutschsprachigen Raum verwendeten Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr bei rund 60–80 µg pro Tag, abhängig von Alter und Geschlecht. Diese Werte beziehen sich auf die Aufrechterhaltung einer normalen Blutgerinnung und gelten nicht als pauschale Supplementierungsempfehlung.

Die Referenzwerte berücksichtigen, dass Vitamin K in der Regel ausreichend über eine ausgewogene Ernährung zugeführt wird. Orientierende Größenordnungen sind:

  • Säuglinge und Kinder: deutlich niedrigere Mengen, alters- und gewichtsabhängig gestaffelt
  • Jugendliche und Erwachsene: etwa 60–80 µg pro Tag als Schätzwert
  • Ältere Menschen: Bedarf entspricht weitgehend dem von jüngeren Erwachsenen
  • Schwangere und Stillende: Werte im Bereich anderer Erwachsener, ohne pauschalen Mehrbedarf

Eine tolerierbare Obergrenze (Upper Intake Level) wurde für Vitamin K aus natürlichen Quellen nicht festgelegt, weil bei oraler Zufuhr aus Lebensmitteln keine relevanten toxischen Effekte bekannt sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass hochdosierte Präparate beliebig unkritisch sind – insbesondere bei medikamentösen Wechselwirkungen ist Zurückhaltung geboten.

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin K?

Die ergiebigsten Vitamin-K1-Quellen sind grüne Blattgemüse, da das Vitamin in der Photosynthese eine Rolle spielt und entsprechend in chlorophyllreichen Pflanzen konzentriert vorliegt. Eine pflanzenbetonte, gemüsereiche Ernährung deckt den Bedarf an Vitamin K1 in aller Regel zuverlässig.

Wichtige Nahrungsquellen sind:

  • Grünes Blattgemüse: Grünkohl, Spinat, Mangold, Petersilie und verschiedene Salate
  • Kohlgemüse: Brokkoli, Rosenkohl und Wirsing
  • Pflanzliche Öle: bestimmte Pflanzenöle enthalten relevante Mengen Phyllochinon
  • Fermentierte Lebensmittel: als Quelle für Vitamin K2 (Menachinone)
  • Tierische Produkte: in geringeren Mengen, teils als K2

Da Vitamin K fettlöslich ist, verbessert die gleichzeitige Aufnahme von Fett – etwa ein hochwertiges Öl im Salat – die Resorption. Die Verfügbarkeit aus rohem Blattgemüse kann durch die Zellstruktur eingeschränkt sein, sodass schonendes Garen und Zerkleinern die Aufnahme begünstigen können.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-K-Mangel?

Ein klinisch relevanter Vitamin-K-Mangel ist bei gesunden Erwachsenen mit ausgewogener Ernährung selten, kann aber bei bestimmten Personengruppen auftreten. Risikofaktoren betreffen vor allem die Aufnahme von Fett, die Darmflora und die Leberfunktion.

Zu den gefährdeten Gruppen zählen Menschen mit chronischen Fettverdauungs- oder Resorptionsstörungen, etwa bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Galle oder des Dünndarms, da die Fettlöslichkeit des Vitamins eine intakte Fettaufnahme voraussetzt. Auch eine längere Antibiotikatherapie kann die Vitamin-K-bildende Darmflora beeinträchtigen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Neugeborenen, da bei ihnen die Vitamin-K-Speicher gering und die Darmbesiedlung noch unvollständig sind. Aus diesem Grund ist die Vitamin-K-Prophylaxe nach der Geburt etabliert. Über konkrete Schemata und Dosierungen entscheidet ausschließlich das betreuende medizinische Fachpersonal.

Wie hängen Vitamin K und Gerinnungshemmer zusammen?

Vitamin K und Vitamin-K-Antagonisten stehen in einer direkten pharmakologischen Beziehung: Cumarin-basierte Gerinnungshemmer wirken, indem sie die Wiederverwertung von Vitamin K im Körper hemmen und so die Bildung funktionsfähiger Gerinnungsfaktoren reduzieren. Schwankende Vitamin-K-Zufuhr kann diese Therapie beeinflussen.

Für Patientinnen und Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten ist deshalb nicht der vollständige Verzicht auf Vitamin K entscheidend, sondern eine gleichmäßige, konstante Zufuhr. Starke Schwankungen im Verzehr Vitamin-K-reicher Lebensmittel können die Einstellung der Gerinnungswerte erschweren und sollten mit der behandelnden Praxis besprochen werden.

In den vergangenen Jahren haben sich die Therapieoptionen erweitert. Laut Steffel, Collins, Antz et al. (2021) existiert ein praxisorientierter Leitfaden der European Heart Rhythm Association zum Einsatz von Nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern. Diese Substanzklasse wirkt unabhängig vom Vitamin-K-Stoffwechsel und ist von der hier beschriebenen Nahrungs-Interaktion nicht in gleicher Weise betroffen.

Laut van Es, Coppens, Schulman et al. (2014) zeigen Phase-3-Studien direkte orale Antikoagulanzien im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten bei akuter venöser Thromboembolie. Ergänzend kommen van der Hulle, Kooiman, den Exter et al. (2014) in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu einer Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit dieser neueren Substanzen gegenüber Vitamin-K-Antagonisten. Welche Therapie geeignet ist, entscheidet stets die ärztliche Beurteilung im Einzelfall.

Wie ist die Studienlage zur Vitamin-K-Dosierung einzuordnen?

Die grundlegende Rolle von Vitamin K für die Blutgerinnung gilt als gesichert und ist biochemisch gut belegt. Die Funktion als Co-Faktor der Carboxylierung von Gerinnungsfaktoren ist seit Jahrzehnten etabliert und wird durch die enzymatischen Arbeiten zur Membranabhängigkeit der Gerinnungskomplexe gestützt.

Auch die Bedeutung Vitamin-K-abhängiger Proteine im Knochen ist mechanistisch beschrieben. Laut Hauschka, Lian, Cole et al. (1989) sind Osteocalcin und Matrix-Gla-Protein Vitamin-K-abhängig, was eine Verbindung zwischen Vitamin-K-Status und Knochenstoffwechsel plausibel macht. Aus dieser mechanistischen Plausibilität lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres ableiten, dass eine hochdosierte Supplementierung bei gesunden Menschen einen klinischen Zusatznutzen für die Knochengesundheit bringt.

Bezüglich der gerinnungshemmenden Therapie ist die Evidenz für den Vergleich verschiedener Antikoagulanzien-Klassen vergleichsweise solide. Laut van Es et al. (2014) und van der Hulle et al. (2014) liegen Phase-3-Daten und eine Metaanalyse zur Behandlung der venösen Thromboembolie vor, und laut Steffel et al. (2021) existiert ein praktischer Leitfaden für Vorhofflimmern. Diese Arbeiten betreffen die medikamentöse Therapie, nicht primär die Frage der diätetischen Vitamin-K-Dosierung.

Insgesamt gilt: Der Bedarf zur Sicherung einer normalen Gerinnung ist gut definiert, weitergehende Nutzenversprechen hochdosierter Präparate – etwa zur Knochen- oder Gefäßgesundheit – sind in vielen Bereichen Gegenstand laufender Forschung und sollten zurückhaltend bewertet werden. Eine pauschale Empfehlung zur Hochdosis-Einnahme lässt sich aus der vorliegenden Faktengrundlage nicht ableiten.

Häufige Fragen

Wie viel Vitamin K sollte ein Erwachsener täglich zuführen?

Für gesunde Erwachsene werden Schätzwerte von etwa 60–80 µg pro Tag angegeben, abhängig von Alter und Geschlecht. Diese Menge dient der Aufrechterhaltung einer normalen Blutgerinnung und wird in der Regel über eine gemüsereiche Ernährung gedeckt. Eine routinemäßige Supplementierung ist bei ausgewogener Kost meist nicht erforderlich.

Kann man Vitamin K überdosieren?

Bei der Zufuhr von Vitamin K aus natürlichen Lebensmitteln sind keine relevanten toxischen Effekte bekannt, weshalb keine allgemeine Obergrenze festgelegt wurde. Bei hochdosierten Präparaten ist dennoch Vorsicht geboten, insbesondere wegen möglicher Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern. Die Einnahme von Präparaten sollte mit ärztlichem Personal abgestimmt werden.

Muss ich bei Gerinnungshemmern auf grünes Gemüse verzichten?

Nein, ein vollständiger Verzicht ist meist nicht nötig. Entscheidend ist eine gleichmäßige, konstante Vitamin-K-Zufuhr, damit die Einstellung der Gerinnungswerte stabil bleibt. Starke Schwankungen im Verzehr Vitamin-K-reicher Lebensmittel sollten vermieden und Ernährungsänderungen mit der behandelnden Praxis besprochen werden.

Worin unterscheiden sich Vitamin K1 und K2?

Vitamin K1 (Phyllochinon) stammt überwiegend aus grünem Blattgemüse, während Vitamin K2 (Menachinone) von Bakterien gebildet wird und in fermentierten sowie tierischen Lebensmitteln vorkommt. Beide Formen dienen als Co-Faktor der Carboxylierung, unterscheiden sich aber in der Resorption und Verweildauer im Körper. Beide tragen zur Gesamtversorgung bei.

Warum erhalten Neugeborene Vitamin K?

Neugeborene verfügen über geringe Vitamin-K-Speicher und eine noch unvollständig besiedelte Darmflora, wodurch ein erhöhtes Risiko für Blutungen besteht. Deshalb ist eine Vitamin-K-Prophylaxe nach der Geburt etabliert. Über das konkrete Vorgehen und die Dosierung entscheidet ausschließlich das betreuende medizinische Fachpersonal.

Verbessert Vitamin K die Knochengesundheit?

Vitamin K aktiviert knochenrelevante Proteine wie Osteocalcin, was laut Hauschka et al. (1989) gut belegt ist. Ob eine hochdosierte Supplementierung bei gesunden Menschen einen klinischen Zusatznutzen für die Knochen bringt, ist damit jedoch nicht bewiesen. Eine ausreichende Grundversorgung über die Ernährung ist sinnvoll, weitergehende Versprechen sind vorsichtig zu bewerten.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Er stellt kein Heilversprechen dar. Insbesondere bei Einnahme von Gerinnungshemmern, bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie vor der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Wissenschaftliche Quellen

Ausgewählte begutachtete Übersichtsarbeiten zu diesem Thema:

  • Hauschka PV, Lian JB, Cole DE et al.: Osteocalcin and matrix Gla protein: vitamin K-dependent proteins in bone. Physiol Rev, 1989. doi:10.1152/physrev.1989.69.3.990
  • Steffel J, Collins R, Antz M et al.: 2021 European Heart Rhythm Association Practical Guide on the Use of Non-Vitamin K Antagonist Oral Anticoagulants in Patients with Atrial Fibrillation. Europace, 2021. doi:10.1093/europace/euab065
  • van Es N, Coppens M, Schulman S et al.: Direct oral anticoagulants compared with vitamin K antagonists for acute venous thromboembolism: evidence from phase 3 trials. Blood, 2014. doi:10.1182/blood-2014-04-571232
  • Mann KG, Nesheim ME, Church WR et al.: Surface-dependent reactions of the vitamin K-dependent enzyme complexes. Blood, 1990. doi:10.1182/blood.v76.1.1.1
  • van der Hulle T, Kooiman J, den Exter PL et al.: Effectiveness and safety of novel oral anticoagulants as compared with vitamin K antagonists in the treatment of acute symptomatic venous thromboembolism: a systematic review and meta-analysis. J Thromb Haemost, 2014. doi:10.1111/jth.12485

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📊 Infografik: Die vitamin-k-reichsten Lebensmittel Top-10-Diagramm, Tagesbedarf nach Alter & Geschlecht und Portionstipps

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Gehalt je 100 g · Quelle: USDA FoodData Central

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