Phyllochinon (Vitamin K1)
Phyllochinon (Vitamin K1) ist ein fettlösliches Vitamin und die pflanzliche Hauptform der Vitamin-K-Gruppe.
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Phyllochinon (Vitamin K1) ist ein fettlösliches Vitamin und die pflanzliche Hauptform der Vitamin-K-Gruppe. Es ist essenziell für die Synthese funktionsfähiger Gerinnungsfaktoren in der Leber und beteiligt sich an der Aktivierung Vitamin-K-abhängiger Proteine in Knochen und Gefäßen. Hauptquellen sind grünes Blattgemüse.
| Kennzahl | Angabe |
|---|---|
| Schätzwert für die Zufuhr (Erwachsene, D-A-CH) | ca. 60–80 µg/Tag |
| Hauptfunktion | Carboxylierung Vitamin-K-abhängiger Proteine (Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X) |
| Wichtige Knochenproteine | Osteocalcin, Matrix-Gla-Protein (Hauschka et al., 1989) |
| Mangelzeichen | verlängerte Blutungszeit, Hämatomneigung |
| Hauptquellen | grünes Blattgemüse, pflanzliche Öle |
Was ist Phyllochinon (Vitamin K1) genau?
Phyllochinon ist die in Pflanzen vorkommende Form von Vitamin K und damit die mengenmäßig bedeutendste Vitamin-K-Quelle der menschlichen Ernährung. Chemisch handelt es sich um ein 2-Methyl-1,4-Naphthochinon-Derivat mit einer Phytyl-Seitenkette, das eng mit der Photosynthese verbunden ist und in den Chloroplasten grüner Pflanzen gebildet wird.
Die Vitamin-K-Familie umfasst zwei natürliche Hauptformen: Vitamin K1 (Phyllochinon) aus pflanzlichen Quellen und Vitamin K2 (Menachinone), das von Bakterien gebildet wird und in fermentierten Lebensmitteln sowie tierischen Produkten vorkommt. Beide Formen teilen den Naphthochinon-Grundkörper, unterscheiden sich jedoch in der Länge und Struktur der Seitenkette, was ihre Verteilung im Körper und ihre Halbwertszeit beeinflusst.
Als fettlösliches Vitamin benötigt Phyllochinon für seine Aufnahme im Dünndarm die Anwesenheit von Nahrungsfett und eine intakte Fettverdauung mit Gallensäuren. Im Körper wird es nur in geringem Umfang gespeichert; die Leber stellt das wichtigste Verteilungs- und Funktionsorgan dar, da hier die zentrale Aufgabe von Vitamin K – die Gerinnungsfaktorsynthese – stattfindet.
Wie wirkt Vitamin K1 im Körper?
Vitamin K1 wirkt als unverzichtbarer Cofaktor des Enzyms γ-Glutamylcarboxylase, das bestimmte Glutaminsäure-Reste in Proteinen zu γ-Carboxyglutamat (Gla) umwandelt. Erst durch diese Carboxylierung werden Vitamin-K-abhängige Proteine funktionsfähig und können über Calciumionen biologische Aufgaben übernehmen.
Im Mittelpunkt steht die Blutgerinnung. Die Gerinnungsfaktoren II (Prothrombin), VII, IX und X sowie die regulatorischen Proteine C und S benötigen die Vitamin-K-abhängige Carboxylierung, um an Phospholipidoberflächen binden und die Gerinnungskaskade in Gang setzen zu können. Laut Mann et al. (1990) sind diese Vitamin-K-abhängigen Enzymkomplexe in ihrer Aktivität entscheidend von Membranoberflächen abhängig, an denen sich die carboxylierten Faktoren über Calciumbrücken anlagern – ein Mechanismus, der die effiziente und lokal begrenzte Gerinnselbildung ermöglicht.
Während der Carboxylierungsreaktion wird Vitamin K oxidiert und muss durch das Enzym Vitamin-K-Epoxid-Reduktase wieder regeneriert werden. Dieser sogenannte Vitamin-K-Zyklus erlaubt eine mehrfache Wiederverwendung des Vitamins und ist zugleich der Angriffspunkt klassischer gerinnungshemmender Medikamente vom Cumarin-Typ.
Über die Gerinnung hinaus aktiviert Vitamin K weitere Gla-Proteine außerhalb der Leber. Laut Hauschka et al. (1989) zählen dazu Osteocalcin im Knochen und Matrix-Gla-Protein in Gefäßwänden und Knorpel. Osteocalcin wird von knochenbildenden Zellen produziert und bindet nach seiner Carboxylierung Calcium in die Knochenmatrix; Matrix-Gla-Protein gilt als Hemmstoff unerwünschter Gefäßverkalkung.
Wie viel Vitamin K1 braucht der Körper pro Tag?
Für Erwachsene werden im deutschsprachigen Raum Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr von etwa 60 bis 80 µg Vitamin K pro Tag angegeben, wobei Männer am oberen und Frauen am unteren Ende dieser Spanne liegen. Diese Werte beziehen sich auf die Gesamtzufuhr von Vitamin K, zu der Phyllochinon den größten Beitrag leistet.
Der tatsächliche Bedarf orientiert sich vor allem an der Aufrechterhaltung einer normalen Blutgerinnung. Für die Aktivierung der hepatischen Gerinnungsfaktoren reichen vergleichsweise geringe Mengen aus, die über eine ausgewogene Ernährung mit grünem Gemüse in aller Regel problemlos gedeckt werden. Ob höhere Zufuhrmengen für nicht-hepatische Funktionen wie die Knochengesundheit zusätzlichen Nutzen bringen, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Ein besonderer Fall sind Neugeborene: Sie kommen mit geringen Vitamin-K-Reserven zur Welt, und die Muttermilch enthält nur wenig Phyllochinon. Aus diesem Grund ist in vielen Ländern eine Vitamin-K-Gabe nach der Geburt etabliert, um seltenen, aber schwerwiegenden Blutungen vorzubeugen. Eine solche Prophylaxe erfolgt stets unter ärztlicher Begleitung.
- Säuglinge: erhöhte Aufmerksamkeit wegen niedriger Speicher; Prophylaxe nach ärztlichem Standard
- Erwachsene: Bedarf meist durch normale Mischkost gedeckt
- Menschen mit Fettverdauungsstörungen: erhöhtes Risiko für eine unzureichende Versorgung
Welche Lebensmittel enthalten viel Vitamin K1?
Die reichhaltigsten Quellen für Phyllochinon sind grüne Blattgemüse und Kohlsorten, da Vitamin K1 eng an die Photosynthese und den Chlorophyllgehalt der Pflanzen gekoppelt ist. Je dunkelgrüner ein Gemüse, desto höher ist tendenziell sein Gehalt an Vitamin K1.
Zu den besonders gehaltvollen Lebensmitteln zählen:
- Grünkohl, Spinat, Mangold und Petersilie
- Brokkoli, Rosenkohl und andere Kohlarten
- Kopfsalat, Feldsalat und weitere Blattsalate
- pflanzliche Öle wie Raps- und Sojaöl
- einige grüne Kräuter und Schnittlauch
Da Phyllochinon fettlöslich ist, verbessert die gemeinsame Zubereitung mit etwas Öl oder Fett seine Aufnahme. Vitamin K1 ist gegenüber Hitze beim üblichen Kochen relativ stabil, reagiert jedoch empfindlich auf Licht. Eine abwechslungsreiche, gemüsereiche Ernährung deckt den Bedarf zuverlässig, sodass eine zusätzliche Zufuhr über Präparate für gesunde Menschen meist nicht erforderlich ist.
Was passiert bei einem Vitamin-K1-Mangel?
Ein ausgeprägter Vitamin-K1-Mangel führt vor allem zu Störungen der Blutgerinnung, da die Leber nicht mehr ausreichend funktionsfähige Gerinnungsfaktoren bilden kann. Typische Zeichen sind eine verlängerte Blutungszeit, vermehrte blaue Flecken, Nasen- oder Zahnfleischbluten sowie in schweren Fällen innere Blutungen.
Bei gesunden Erwachsenen mit normaler Ernährung ist ein klinisch relevanter Mangel selten. Risikogruppen sind hingegen Menschen mit Erkrankungen, die die Fettverdauung oder die Gallensekretion beeinträchtigen, etwa bei chronischen Darmerkrankungen, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen. Auch eine längere Einnahme bestimmter Medikamente oder eine deutlich gestörte Darmflora kann die Versorgung beeinträchtigen.
Über die Gerinnung hinaus wird ein langfristig suboptimaler Vitamin-K-Status mit einer verminderten Carboxylierung von Osteocalcin und Matrix-Gla-Protein in Verbindung gebracht. Laut Hauschka et al. (1989) sind diese Proteine für die Knochenmineralisierung und die Hemmung von Gefäßverkalkungen bedeutsam. Inwieweit eine moderat reduzierte Vitamin-K-Zufuhr beim Menschen tatsächlich zu Knochenschwund oder Gefäßveränderungen beiträgt, ist Gegenstand laufender Forschung und bislang nicht abschließend belegt.
Wie hängt Vitamin K1 mit Gerinnungshemmern zusammen?
Vitamin K1 steht in direktem Zusammenhang mit einer wichtigen Klasse blutverdünnender Medikamente, den Vitamin-K-Antagonisten (Cumarinen). Diese hemmen die Regeneration von Vitamin K im Vitamin-K-Zyklus und verringern so die Bildung funktionsfähiger Gerinnungsfaktoren – ein Effekt, der zur Vorbeugung von Blutgerinnseln gezielt genutzt wird.
Weil Vitamin K1 die Wirkung dieser Medikamente abschwächen kann, ist bei einer Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten eine möglichst gleichmäßige Vitamin-K-Zufuhr über die Ernährung wichtig. Starke Schwankungen im Verzehr grüner Gemüse können die Gerinnungswerte beeinflussen. Die Therapie erfordert regelmäßige Laborkontrollen und ärztliche Begleitung; Vitamin K1 dient zugleich als Gegenmittel bei einer überschießenden Wirkung dieser Medikamente.
In den vergangenen Jahren haben direkte orale Antikoagulanzien, die nicht über den Vitamin-K-Stoffwechsel wirken, an Bedeutung gewonnen. Laut van Es et al. (2014) zeigten Phase-3-Studien bei akuter venöser Thromboembolie eine vergleichbare Wirksamkeit dieser neueren Substanzen gegenüber Vitamin-K-Antagonisten bei einem günstigen Sicherheitsprofil. Laut van der Hulle et al. (2014) bestätigte eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse diese Effektivität und Sicherheit bei der Behandlung der akuten symptomatischen venösen Thromboembolie.
Laut Steffel et al. (2021) fasst der praktische Leitfaden der European Heart Rhythm Association den Einsatz dieser Nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern zusammen und unterstreicht ihren festen Stellenwert in der modernen Gerinnungstherapie. Wichtig ist: Bei diesen neueren Wirkstoffen spielt die Vitamin-K-Zufuhr über die Nahrung keine vergleichbare Rolle wie bei den klassischen Vitamin-K-Antagonisten.
Wie sicher ist Vitamin K1 und wann ist Vorsicht geboten?
Vitamin K1 aus Lebensmitteln gilt als sehr sicher; eine Überdosierung durch Ernährung ist nicht bekannt, und ein verbindlicher oberer Grenzwert wurde aufgrund der geringen Toxizität nicht festgelegt. Der Körper reguliert die Aufnahme und Verwertung wirksam, sodass selbst ein hoher Verzehr grünen Gemüses bei Gesunden unbedenklich ist.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert Vitamin K1 jedoch bei Personen, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen. Hier kann eine unkontrollierte zusätzliche Zufuhr über hochdosierte Präparate die Medikamentenwirkung beeinträchtigen. Solche Personen sollten Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin K nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden und ihre Ernährung möglichst konstant halten.
Für gesunde Erwachsene ohne entsprechende Medikation besteht in der Regel kein Grund zur ergänzenden Einnahme, da der Bedarf über eine ausgewogene Ernährung gedeckt wird. Bei Verdacht auf einen Mangel, bei Fettverdauungsstörungen oder in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Versorgung individuell ärztlich beurteilt werden.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Vitamin K1 und K2?
Vitamin K1 (Phyllochinon) stammt aus grünen Pflanzen und wird vorrangig in der Leber für die Blutgerinnung genutzt. Vitamin K2 (Menachinone) wird von Bakterien gebildet, kommt in fermentierten und tierischen Lebensmitteln vor und verteilt sich stärker in Geweben außerhalb der Leber. Beide gehören zur Vitamin-K-Familie.
Kann ich meinen Vitamin-K1-Bedarf über die Ernährung decken?
Ja, bei gesunden Menschen deckt eine ausgewogene Ernährung mit grünem Blattgemüse, Kohl und pflanzlichen Ölen den Bedarf zuverlässig. Da Vitamin K1 fettlöslich ist, verbessert die Zubereitung mit etwas Öl die Aufnahme. Nahrungsergänzungsmittel sind für die meisten gesunden Erwachsenen nicht erforderlich.
Beeinflusst Vitamin K1 die Wirkung von Blutverdünnern?
Vitamin K1 kann die Wirkung klassischer Vitamin-K-Antagonisten abschwächen, weshalb eine gleichmäßige Zufuhr wichtig ist. Bei neueren direkten oralen Antikoagulanzien spielt die Vitamin-K-Zufuhr dagegen keine vergleichbare Rolle. Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte Ernährung und Präparate stets ärztlich abstimmen.
Welche Rolle spielt Vitamin K1 für die Knochen?
Laut Hauschka et al. (1989) aktiviert Vitamin K das Knochenprotein Osteocalcin, das Calcium in die Knochenmatrix bindet. Damit ist Vitamin K an der Knochenmineralisierung beteiligt. Ob eine höhere Zufuhr beim Menschen die Knochengesundheit messbar verbessert, ist bislang nicht abschließend belegt und Gegenstand laufender Forschung.
Warum erhalten Neugeborene oft Vitamin K?
Neugeborene besitzen geringe Vitamin-K-Speicher, und Muttermilch enthält nur wenig Phyllochinon. Um seltene, aber schwerwiegende Blutungen zu verhindern, ist in vielen Ländern eine Vitamin-K-Gabe nach der Geburt etabliert. Diese erfolgt nach festgelegten ärztlichen Standards und gilt als bewährte vorbeugende Maßnahme.
Ist eine Überdosierung von Vitamin K1 möglich?
Eine Überdosierung durch natürliches Vitamin K1 aus Lebensmitteln ist nicht bekannt, da es eine sehr geringe Toxizität aufweist. Ein verbindlicher oberer Grenzwert wurde nicht festgelegt. Vorsicht ist jedoch bei der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten geboten, da hier zusätzliche Präparate die Medikamentenwirkung stören können.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Es werden keine Heilversprechen gegeben. Bei gesundheitlichen Beschwerden, geplanter Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder bestehender Medikation – insbesondere bei gerinnungshemmenden Arzneimitteln – wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
Wissenschaftliche Quellen
Ausgewählte begutachtete Übersichtsarbeiten zu diesem Thema:
- Hauschka PV, Lian JB, Cole DE et al.: Osteocalcin and matrix Gla protein: vitamin K-dependent proteins in bone. Physiol Rev, 1989. doi:10.1152/physrev.1989.69.3.990
- Steffel J, Collins R, Antz M et al.: 2021 European Heart Rhythm Association Practical Guide on the Use of Non-Vitamin K Antagonist Oral Anticoagulants in Patients with Atrial Fibrillation. Europace, 2021. doi:10.1093/europace/euab065
- van Es N, Coppens M, Schulman S et al.: Direct oral anticoagulants compared with vitamin K antagonists for acute venous thromboembolism: evidence from phase 3 trials. Blood, 2014. doi:10.1182/blood-2014-04-571232
- Mann KG, Nesheim ME, Church WR et al.: Surface-dependent reactions of the vitamin K-dependent enzyme complexes. Blood, 1990. doi:10.1182/blood.v76.1.1.1
- van der Hulle T, Kooiman J, den Exter PL et al.: Effectiveness and safety of novel oral anticoagulants as compared with vitamin K antagonists in the treatment of acute symptomatic venous thromboembolism: a systematic review and meta-analysis. J Thromb Haemost, 2014. doi:10.1111/jth.12485
Quellen über Europe PMC ermittelt. Bitte Originalarbeiten konsultieren.
Top-Lebensmittel mit vitamin-k
Gehalt je 100 g · Quelle: USDA FoodData Central
| Lebensmittel | je 100 g |
|---|---|
| Grünkohl gebraten ohne Fett (Pfanne) | 1700 µg |
| Mangold geschmort ohne Fett | 1482 µg |
| Grünkohl tiefgefroren | 1266 µg |
| Mangold gebraten ohne Fett (Pfanne) | 1239 µg |
| Grünkohl tiefgefroren, gekocht | 1194 µg |
| Grünkohl gekocht | 1174 µg |
| Grünkohl tiefgefroren, gedämpft | 1161 µg |
| Grünkohl tiefgefroren, gedünstet | 1151 µg |
| Grünkohl roh | 1139 µg |
| Grünkohl Konserve, abgetropft | 1129 µg |
| Grünkohl gedämpft | 990 µg |
| Grünkohl gedünstet | 990 µg |
Werte je 100 g essbarer Anteil, gerundet. Mehr im Nährwert-Tool.