Vergleichen Aktualisiert: Juni 2026 · ca. 8 Min.

Vitamin K1 vs Vitamin K2

Direkter Vergleich: Vitamin K1 vs Vitamin K2. Vor- und Nachteile, Unterschiede und Empfehlungen auf einen Blick.

Lebensmittel mit vitamin-k
Inhalt

Vitamin K1 vs Vitamin K2 ist der Vergleich zweier natürlicher Formen des fettlöslichen Vitamins K: Phyllochinon (K1) stammt überwiegend aus grünem Blattgemüse und steuert primär die Blutgerinnung, während Menachinon (K2) aus fermentierten Lebensmitteln und tierischen Quellen stammt und stärker den Knochen- und Gefäßstoffwechsel beeinflusst.

Kennzahl Vitamin K1 (Phyllochinon) Vitamin K2 (Menachinon)
Hauptquelle Grünes Blattgemüse, Pflanzenöle Fermentierte Lebensmittel, tierische Produkte, Darmbakterien
Hauptfunktion Blutgerinnung (Leber) Knochen- und Gefäßstoffwechsel (extrahepatisch)
Schätzwert Gesamt-Vitamin-K (Erwachsene, D-A-CH) ca. 60–80 µg/Tag (geschlechts- und altersabhängig)
Bekannte abhängige Proteine Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X Osteocalcin, Matrix-Gla-Protein (Hauschka et al., 1989)
Mangelzeichen Erhöhte Blutungsneigung; langfristig mögliche Knochen-/Gefäßfolgen

Was ist der grundlegende Unterschied zwischen Vitamin K1 und K2?

Der grundlegende Unterschied liegt in der chemischen Seitenkette und der daraus folgenden Verteilung im Körper. Beide Formen gehören zur Vitamin-K-Familie und teilen denselben Naphthochinon-Grundkörper, unterscheiden sich aber in Struktur, Herkunft und bevorzugtem Wirkort.

Vitamin K1 (Phyllochinon) besitzt eine gesättigte Phytyl-Seitenkette und wird vor allem in der Leber genutzt, wo es die Aktivierung der Gerinnungsfaktoren ermöglicht. Vitamin K2 (Menachinon) trägt eine ungesättigte Isoprenoid-Seitenkette mit variabler Länge; die Untergruppen werden als MK-4 bis MK-13 bezeichnet. K2 verteilt sich stärker in Geweben außerhalb der Leber, etwa in Knochen und Gefäßwänden.

Funktionell wirken beide als Kofaktor für das Enzym γ-Glutamylcarboxylase. Dieses Enzym carboxyliert Glutaminsäurereste in bestimmten Proteinen und macht sie dadurch funktionsfähig. Laut Mann et al. (1990) sind die aktivierten Gerinnungsfaktoren auf membrangebundene Reaktionskomplexe angewiesen, deren Funktion ohne ausreichende Carboxylierung beeinträchtigt ist.

Wie wirken Vitamin K1 und K2 im Körper?

Beide Vitamine aktivieren sogenannte Gla-Proteine, doch sie tun dies bevorzugt in unterschiedlichen Geweben – K1 in der Leber, K2 verstärkt in Knochen und Gefäßen.

Im Mittelpunkt steht der Vitamin-K-Zyklus: Das Vitamin wird als Kofaktor verbraucht und anschließend durch das Enzym Vitamin-K-Epoxid-Reduktase regeneriert. Dieser Recyclingschritt ist auch der Angriffspunkt klassischer Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ, die diesen Zyklus blockieren.

In der Leber sorgt vorwiegend K1 dafür, dass die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X aktiviert werden. Außerhalb der Leber aktiviert K2 unter anderem zwei zentrale Proteine:

  • Osteocalcin: ein im Knochen gebildetes Protein, das Calcium in die Knochenmatrix einbindet.
  • Matrix-Gla-Protein (MGP): ein Protein, das in Gefäßwänden der Calciumablagerung entgegenwirkt.

Laut Hauschka et al. (1989) gehören sowohl Osteocalcin als auch Matrix-Gla-Protein zu den Vitamin-K-abhängigen Proteinen des Knochens. Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für das Interesse an K2 im Zusammenhang mit Knochen- und Gefäßgesundheit – wobei der klinische Nutzen einer gezielten Supplementierung wissenschaftlich differenziert betrachtet werden muss.

Wie viel Vitamin K braucht man pro Tag?

Für Vitamin K existiert kein exakter Bedarf, sondern ein Schätzwert für eine angemessene Zufuhr, der sich an der Aufrechterhaltung einer normalen Blutgerinnung orientiert. Die deutschsprachigen Fachgesellschaften nennen für erwachsene Frauen und Männer Größenordnungen von etwa 60 bis 80 µg pro Tag.

Diese Referenzwerte beziehen sich auf die Gesamtzufuhr von Vitamin K und unterscheiden nicht streng zwischen K1 und K2. In der typischen Ernährung stammt der größte Anteil aus K1, da grünes Blattgemüse in vielen Speiseplänen vorkommt. Ein eigenständiger, offiziell quantifizierter Tagesbedarf speziell für K2 ist derzeit nicht festgelegt.

Wichtig ist der Kontext: Die genannten Werte decken die Gerinnungsfunktion zuverlässig ab. Ob darüber hinausgehende Mengen – insbesondere von K2 – zusätzliche Vorteile für Knochen und Gefäße bieten, ist Gegenstand laufender Forschung und nicht abschließend geklärt. Höhere Zufuhren sollten nicht ohne medizinische Begleitung erfolgen, vor allem bei bestimmten Medikamenten.

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin K1 und K2?

Vitamin K1 stammt fast ausschließlich aus pflanzlichen Quellen, Vitamin K2 vor allem aus fermentierten und tierischen Lebensmitteln sowie aus der bakteriellen Synthese im Darm.

Reich an Vitamin K1 sind insbesondere grüne Gemüse, da Phyllochinon eng mit dem Photosyntheseapparat der Pflanzen verbunden ist:

  • Grünkohl, Spinat, Mangold und andere dunkelgrüne Blattgemüse
  • Brokkoli und Rosenkohl
  • Petersilie und weitere grüne Kräuter
  • Pflanzliche Öle wie Raps- und Olivenöl

Vitamin K2 findet sich vor allem in:

  • Fermentierten Lebensmitteln, insbesondere stark fermentierten Sojaprodukten (reich an MK-7)
  • Bestimmten gereiften Käsesorten und anderen fermentierten Milchprodukten
  • Tierischen Produkten wie Eigelb, Leber und Fleisch (vorwiegend MK-4)

Da Vitamin K fettlöslich ist, verbessert die gemeinsame Aufnahme mit etwas Fett die Verwertung – etwa ein Dressing mit Öl zu grünem Salat. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit grünem Gemüse und fermentierten Produkten deckt den Bedarf an beiden Formen in der Regel zuverlässig ab.

Was ist bei Vitamin K und Gerinnungshemmern zu beachten?

Bei Cumarin-basierten Gerinnungshemmern ist eine möglichst gleichmäßige Vitamin-K-Zufuhr entscheidend, da diese Medikamente gezielt in den Vitamin-K-Zyklus eingreifen und ihre Wirkung von der Vitamin-K-Versorgung abhängt.

Klassische Vitamin-K-Antagonisten hemmen die Regeneration von Vitamin K und verringern dadurch die Bildung aktiver Gerinnungsfaktoren. Stark schwankende Vitamin-K-Mengen aus der Ernährung – etwa plötzlich sehr große Portionen grünes Gemüse – können die Einstellung dieser Therapie stören. Deshalb wird Betroffenen geraten, die Zufuhr nicht abrupt zu ändern, statt grünes Gemüse vollständig zu meiden.

Eine wichtige Entwicklung der letzten Jahre sind direkte orale Antikoagulanzien, die unabhängig vom Vitamin-K-Stoffwechsel wirken. Laut Steffel et al. (2021) bieten praktische Leitlinien detaillierte Empfehlungen zum Einsatz dieser Nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern. Laut van Es et al. (2014) sowie van der Hulle et al. (2014) zeigten Phase-3-Studien und Metaanalysen, dass direkte orale Antikoagulanzien bei akuter venöser Thromboembolie im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten eine wirksame und hinsichtlich des Sicherheitsprofils günstige Behandlungsoption darstellen.

Für Menschen, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, gilt: Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin K – ob K1 oder K2 – sollten nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden, da sie die Gerinnungseinstellung beeinflussen können.

Vitamin K1 vs. K2: Vor- und Nachteile im Überblick

K1 ist die alltagsdominante Form mit klar belegter Rolle in der Blutgerinnung, während K2 wegen seiner extrahepatischen Wirkung und längeren Verweildauer im Blut für Knochen- und Gefäßaspekte diskutiert wird – mit allerdings noch uneinheitlicher Studienlage.

Aspekt Vitamin K1 – Vorteile/Nachteile Vitamin K2 – Vorteile/Nachteile
Verfügbarkeit in der Ernährung Vorteil: weit verbreitet in grünem Gemüse Nachteil: konzentriert in wenigen, teils selten verzehrten Lebensmitteln
Gerinnungsfunktion Vorteil: primärer Beitrag zur Blutgerinnung Beitrag vorhanden, aber Schwerpunkt liegt außerhalb der Leber
Knochen-/Gefäßproteine Beteiligt, jedoch geringere extrahepatische Verfügbarkeit Vorteil: aktiviert bevorzugt Osteocalcin und MGP
Verweildauer im Blut Nachteil: relativ kurz Vorteil: einzelne Formen (z. B. MK-7) länger verfügbar
Evidenzlage Vorteil: gut belegte Grundfunktion Nachteil: Zusatznutzen teils vorläufig, nicht abschließend belegt

Wie sicher ist die Einnahme von Vitamin K?

Vitamin K aus Lebensmitteln gilt als sehr sicher, und für die natürlichen Formen K1 und K2 ist bei oraler Zufuhr keine bekannte toxische Obergrenze definiert. Dennoch sind einzelne Situationen zu beachten, in denen eine zusätzliche Zufuhr nicht ohne ärztliche Begleitung erfolgen sollte.

Im Vordergrund steht die Wechselwirkung mit Vitamin-K-Antagonisten, bei denen schon moderate Zusatzmengen die Therapie beeinflussen können. Auch bei Erkrankungen, die die Fettverdauung oder Leberfunktion betreffen, kann die Vitamin-K-Versorgung verändert sein. Neugeborene erhalten in vielen Ländern routinemäßig Vitamin K, da ihre körpereigenen Speicher zunächst gering sind – diese Maßnahme erfolgt stets im medizinischen Rahmen.

Für die meisten gesunden Erwachsenen ist eine ausgewogene Ernährung der sicherste und zugleich wirksamste Weg, beide Vitamin-K-Formen abzudecken. Hochdosierte Präparate bringen für Gesunde keinen gesicherten Zusatznutzen und sollten überlegt eingesetzt werden.

Häufige Fragen

Ist Vitamin K2 besser als Vitamin K1?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. K1 ist für die Blutgerinnung gut belegt und in der Ernährung breit verfügbar. K2 wirkt stärker in Knochen und Gefäßen und verbleibt länger im Blut. Beide ergänzen sich; welche Form vorteilhafter ist, hängt vom jeweiligen Ziel und Kontext ab.

Kann der Körper Vitamin K1 in K2 umwandeln?

Der menschliche Körper kann Vitamin K1 in begrenztem Umfang in die Form MK-4 umwandeln, eine Untergruppe von Vitamin K2. Zusätzlich produzieren Darmbakterien geringe Mengen Menachinon. Das Ausmaß und der ernährungsphysiologische Beitrag dieser Umwandlung sind individuell unterschiedlich und nicht vollständig geklärt.

Brauche ich ein Vitamin-K2-Präparat?

Für die meisten gesunden Menschen mit ausgewogener Ernährung ist kein zusätzliches Präparat nötig, da grünes Gemüse und fermentierte Lebensmittel den Bedarf decken. Ob eine gezielte K2-Ergänzung in besonderen Situationen sinnvoll ist, sollte individuell und ärztlich beurteilt werden, insbesondere bei Einnahme von Gerinnungshemmern.

Beeinflusst Vitamin K die Wirkung von Blutverdünnern?

Ja, bei Cumarin-basierten Gerinnungshemmern beeinflusst Vitamin K die Wirkung direkt, da diese Medikamente den Vitamin-K-Stoffwechsel hemmen. Direkte orale Antikoagulanzien wirken hingegen unabhängig davon. Laut Steffel et al. (2021) existieren hierzu praktische Leitlinienempfehlungen. Änderungen der Zufuhr sollten stets mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden.

Welche Lebensmittel haben am meisten Vitamin K?

Den höchsten Gehalt an Vitamin K1 liefern dunkelgrüne Blattgemüse wie Grünkohl und Spinat sowie Brokkoli und grüne Kräuter. Vitamin K2 ist vor allem in stark fermentierten Sojaprodukten, gereiftem Käse und tierischen Produkten wie Eigelb enthalten. Eine Kombination beider Lebensmittelgruppen deckt beide Formen ab.

Kann man zu viel Vitamin K aufnehmen?

Für die natürlichen Formen K1 und K2 aus Lebensmitteln ist keine schädliche Überdosierung bekannt, und es wurde keine toxische Obergrenze definiert. Vorsicht ist jedoch bei Personen geboten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, da hier auch moderate Zusatzmengen die Gerinnungseinstellung beeinflussen können.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Er stellt keine Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Fragen, bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie insbesondere bei der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente sollten Sie vor Änderungen Ihrer Ernährung oder einer Nahrungsergänzung ärztlichen Rat einholen.

Wissenschaftliche Quellen

Ausgewählte begutachtete Übersichtsarbeiten zu diesem Thema:

  • Hauschka PV, Lian JB, Cole DE et al.: Osteocalcin and matrix Gla protein: vitamin K-dependent proteins in bone. Physiol Rev, 1989. doi:10.1152/physrev.1989.69.3.990
  • Steffel J, Collins R, Antz M et al.: 2021 European Heart Rhythm Association Practical Guide on the Use of Non-Vitamin K Antagonist Oral Anticoagulants in Patients with Atrial Fibrillation. Europace, 2021. doi:10.1093/europace/euab065
  • van Es N, Coppens M, Schulman S et al.: Direct oral anticoagulants compared with vitamin K antagonists for acute venous thromboembolism: evidence from phase 3 trials. Blood, 2014. doi:10.1182/blood-2014-04-571232
  • Mann KG, Nesheim ME, Church WR et al.: Surface-dependent reactions of the vitamin K-dependent enzyme complexes. Blood, 1990. doi:10.1182/blood.v76.1.1.1
  • van der Hulle T, Kooiman J, den Exter PL et al.: Effectiveness and safety of novel oral anticoagulants as compared with vitamin K antagonists in the treatment of acute symptomatic venous thromboembolism: a systematic review and meta-analysis. J Thromb Haemost, 2014. doi:10.1111/jth.12485

Quellen über Europe PMC ermittelt. Bitte Originalarbeiten konsultieren.

📊 Infografik: Die vitamin-k-reichsten Lebensmittel Top-10-Diagramm, Tagesbedarf nach Alter & Geschlecht und Portionstipps

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Gehalt je 100 g · Quelle: USDA FoodData Central

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